Lifestyle: Turniere und andere Katastrophen

gymnastizierung

Ein typischer Turniertag beginnt schon bevor die Sonne aufgeht: Einflechten, Putzen, Verladen, Vorbereiten, Abreiten und dann kommen endlich die 1-5 Minuten im Viereck oder im Parcours auf die es wirklich ankommt. Doch nicht immer klappt in diesen Minuten alles wie es sollte…

„Warum genau tun wir uns das heute nochmal an..?“, mein Freund sah mich vorwurfsvoll an während der Regen auf die Windschutzscheibe des Geländewagens prasselte. Es war das erste Mal, dass er mich auf ein Turnier begleitete und ausgerechnet an diesem Tag regnete es wie aus Eimern. So wirklich Lust hatte ich auch nicht mich dem nass-kalten Wetter auszusetzen. Trotzdem antwortete ich: „Weil das Wetter sicher gleich besser wird und ich bei so einem Wetter sowieso viel bessere Chancen hab, da die Hälfte der genannten Reiter gar nicht an den Start gehen.“ Das sagte ich um ihn zu überzeugen, aber eigentlich versuchte ich mich nur selber zu überzeugen. Beim Ausladen und Satteln meines Pferdes machte mein nicht reitender Freund eine sehr gute Figur als Turnierpferd-Zügel-Halter und meinte nur als der große Wallach sich im strömenden Regen nervös einmal um seine eigene Achse drehte: „Ääääh, nimmst du den mal wieder… schnell bitte?!“

Auf dem Weg zum Abreiteplatz waren wir schon völlig durchnässt, da ich optimistisch wie ich war meinen Regenmantel und die Regendecke für mein Pferd zu Hause gelassen hatte. Wie erwartet traf ich dort auf sehr wenige andere Teilnehmer der Dressurprüfung, welche auch verrückt genug waren bei diesem Wetter zu starten. So hatte ich genügend Platz um den Wallach in großen Bögen schön locker zu reiten. Mein Freund nutzte die Wartezeit damit, mir Infos über die bisherigen Ergebnisse mitzuteilen. „Also wenn du nachher die Wertung von letzter Woche hast dann wärst du aktuell Dritte!“ Da es auf dem Abreiteplatz besser lief als in der vergangenen Woche stimmte mich diese Information sehr optimistisch. Doch als ich schließlich ins Viereck einritt entdeckte mein Pferd das furchtbare Monster: eine gelbe Plane am Richterhaus! In einem riesigen Satz waren wir plötzlich 5 Meter neben dem Haus. Ich wollte gerade versuchen im Schritt daran vorbeizukommen als die Richter schon klingelten. „Na wunderbar!“, dachte ich. Mit Mühe und Not ritt ich noch zwei Volten in der Nähe des Richterhauses, dann musste ich auf die Mittellinie abwenden und parierte mein Pferd zum Halten durch. Ich grüßte und holte noch einmal tief Luft. Dann ging es los.

Hätte mir jemand die Dressuraufgabe gelesen wie ich sie geritten bin, hätte sie folgendermaßen geklungen: Anreiten im Arbeitstrab, Richtung C immer langsamer werden – großer Bocksprung mit halber Galoppvolte bei C – Steigbügel rechts verlieren – spanniger Trab an der langen Seite auf dem zweiten Hufschlag mit Außenstellung, dabei Steigbügel wieder aufsammeln – mit möglichst vielen Taktfehlern im Mitteltrab über die Diagonale – plötzliches Durchparieren zum Halt am Wechselpunkt daraus nach einer angedeuteten Levade weiter im Arbeitstempo Trab….
Mit zusammengebissenen Zähnen ritt ich die Prüfung zu Ende. Die Spannungen wurden gegen Ende der Prüfung immer besser. Trotzdem hob ich nach dem Gruß die Hand und verzichtete auf die Wertung.

Situationen wie diese habe ich bereits einige Male auf dem Turnier erlebt. Man übt zu Hause viel und reitet die Aufgabe mit dem Trainer ein paar Mal durch und alles klappt gut. Daraufhin meldet man das Turnier und bezahlt die Startgebühr im Wissen, dass man die Woche nach dem Turnier auf der Arbeit wieder ziemlich müde sein wird. Dann kommt der wichtige Tag. Man steht morgens um 4:00 auf, bringt den Sattel, die Trense und die Reitstiefel zum glänzen, richtet den Pferdehänger, flechtet das Pferd ein, ruft bei der Meldestelle an und macht sich auf den Weg zum Turnierplatz. Dort muss man sich erst einmal orientieren, das Pferd ausladen, alles noch einmal kurz auf Hochglanz bringen und abreiten. Dieser ganze Aufwand ist nötig für etwa 4 Minuten Prüfungszeit, in der unter Umständen schon ein Hund, eine Pfütze oder eine Plastikplane die Chance auf eine Platzierung komplett ruinieren kann.

Natürlich gibt es auch immer wieder Turniertage an denen es besser läuft, man mit einer Schleife nach Hause fährt und sich die Mühen gelohnt haben. Doch wenn es gerade schlecht läuft scheinen die erfolgreicheren Turniertage in weiter Ferne zu sein. Hier finde ich es sehr wichtig nicht seinen Sinn für Humor zu verlieren und vor allem nicht seinen Frust am Pferd oder an den Menschen auszulassen, die uns helfen und uns auf das Turnier begleiten. Vor allem wenn man sich die Zeit nimmt auch die anderen Reiter kennenzulernen, kann man ein Turnier als einen schönen Ausflug mit seinem Sportpartner Pferd erleben, bei dem das Ergebnis nicht das Entscheidenste ist. So habe ich auf Turnieren schon unglaublich nette Leute kennen gelernt. Man hat sich gegenseitig Jackets, Handschuhe, Gerten und sogar Reitstiefel ausgeliehen oder über den Verwandtschaftsgrad seiner Pferde gefachsimpelt. Und meine Helfer freuen sich auf jedem Turnier auf die traditionelle Runde Pommes, die ich gerne für sie ausgebe.
Leider sieht man auf Turnieren auch immer wieder Teilnehmer, die ihre Helfer anschnauzen, oder nach der Prüfung mit viel Geschrei, fünf Helfern, zwei Longen und einem Besen versuchen ihr Pferd so schnell es geht in den Hänger zu bekommen um den Turnierplatz fluchtartig zu verlassen.

Als ich aus dem Viereck ritt kam mir mein Freund schon lachend mit seinem Regenschirm entgegen: „Also warum nochmal haben wir uns das heute angetan…?“ Ich schüttelte den Kopf und musste auch lachen: „Ich weiß auch nicht…. Pommes?“ „Aber hallo! Pommes!“

Geht ihr gerne auf’s Turnier oder ist euch das zu stressig? Wie feiert ihr eure Erfolge und wie geht ihr mit einem schlechten Ergebnis um?

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