Lifestyle: Unvergessliche Momente

zaeumen

Eine gute Platzierung, ein Ausritt am Strand, das allererste Aufsitzen: Pferde bereiten uns einige solcher unvergesslichen Momente. Doch leider sind nicht alle unvergesslichen Momente mit Pferden auch „unvergesslich schön“…

Die Musik begann zu spielen. Ich wischte eine Freudenträne aus meinem Auge als ich mein Pferd zur Ehrenrunde angaloppierte. Strahlend lobte ich mein Pferd an dessen Kandare eine große gelbe Schleife hing. Die Zeit schien langsamer zu vergehen als gewöhnlich als ich meine Runden galoppierte. Schließlich ritt ich in der Passage durch die Länge der Bahn, die Zügel in einer Hand. Mit der anderen Hand winkte ich dem Publikum zu. Auf der Tribüne entdeckte ich ein großes Transparent mit dem Namen meines Pferdes darauf und drei Herzen dahinter. Ich warf den Mädchen, die das Transparent hielten, einen Handkuss zu und lobte nochmal mein Pferd.
Und dann wachte ich auf.

„Ach menno!“ Fluchend stand ich auf. Zwar hatte ich Urlaub, wollte den Tag aber für ein Vorstellungsgespräch am Nachmittag nutzen. Vormittags hatte ich mit meinem Junghengst einen Termin beim Tierarzt, nachdem er am Vortag stark gelahmt hatte. Ich stakste verschlafen in die Küche. Auf der Kaffeemaschine klebte ein Zettel mit der Aufschrift: „Einfach einschalten, Kaffeepulver ist schon drin. Viel Glück, du machst das schon!“ Ich lächelte und schaltete die Kaffeemaschine ein. Irgendwie schaffte ich es Frühstück, Anziehen und Schminken gleichzeitig zu erledigen und war schon in der Tür als mich plötzlich ein Gedanke wie ein Blitz traf: „Was wenn ich es nach dem Tierarzttermin nicht mehr nach Hause schaffe?“ Der Tierarzttermin war um 10:00 Uhr, das Vorstellungsgespräch erst um 15:00 Uhr. Eigentlich alles völlig unproblematisch. Trotzdem zögerte ich und nahm die chicken Klamotten für das Vorstellungsgespräch doch lieber gleich mit. Sicher ist sicher.

Im Stall angekommen sah ich, dass die Stallbesitzerin nicht übertrieben hatte: das Bein meines 2-Jährigen war an einer Stelle dick angeschwollen und er lahmte sogar im Schritt. Mein Tierarzt verspätete sich leider und ich überbrückte die Zeit damit, den kleinen Hengst zu striegeln und zu bemitleiden. Um 11.15 Uhr kam mein Tierarzt schließlich auf den Hof. Ein kurzer Blick auf das Bein und den Gang meines Pferdes und er hatte auch schon sein Röntgengerät ausgepackt. Mit viel Geduld versuchten wir das junge Tier von der Harmlosigkeit des Röntgenapparates zu überzeugen. Als wir es schließlich geschafft hatten ein paar Röntgenbilder seines angeschwollenen Beines zu schießen meinte mein Tierarzt plötzlich: „So, und jetzt brauchen wir noch ein Bild vom wirklichen Problem…“ „Wirkliches Problem?“, ich verstand meinen Tierarzt nicht. „Naja, zwar ist sein Bein hinten rechts angeschwollen, aber er lahmt doch deutlich hinten links! Und da ist das Fesselgelenk auch ein bisschen dick…“ Ich sah mir das linke Fesselgelenk des Hengstes an. Tatsächlich! Auch hier war eine Schwellung zu sehen, die ich leider vorher übersehen hatte. Quälende 20min später hatte mein Tierarzt die Röntgenbilder auf seinem Laptop angesehen und analysiert. „Zuerst die gute oder die schlechte Nachricht?“, fragte er mich. „Ähm, keine Ahnung, zuerst die gute?“ Er seufzte: „Ok, das Griffelbein hinten rechts ist gebrochen…“ Was? Wie zur Hölle konnte das die gute Nachricht sein? „Naja, das wächst wahrscheinlich von selbst wieder zusammen, das muss nicht immer operiert werden. Aber hinten links haben sich durch einen Schlag Knochensplitter vom Fesselgelenk gelöst, die ihn sehr stören. Die müssen dringend raus!“

Die Welt drehte sich um mich. Das Pferd war noch keine 3 Jahre alt und musste schon operiert werden, na wunderbar. Während ich den kleinen Hengst hinter den Ohren kraulte besprach ich noch mit dem Tierarzt das weitere Vorgehen. Als er vom Hof fuhr musste ich die schlechten Nachrichten erst einmal sacken lassen. Plötzlich schreckte ich hoch: es war bereits 13:00! Die Gedanken an die bevorstehende OP meines Pferdes hatte mich meinen wichtigen Termin am Nachmittag fast vergessen lassen. Ich düste los und fuhr auf die Autobahn, schließlich wollte ich mir noch viel Zeit lassen um mich für das Vorstellungsgespräch angemessen zu stylen.
Doch auf einmal gab es einen Knall und der Motor meines Autos ging aus. Intuitiv schaltet ich das Warnblinklicht ein und steuerte den Wagen auf den Seitenstreifen. Das durfte doch einfach alles nicht wahr sein! Das Warndreieck war schnell aufgestellt und der Abschleppdienst gerufen. Jetzt war es bereits 14:00. Verzweifelt lehnte ich mich an das kaputte Auto. Mir wurde bewusst, dass ich es unmöglich noch schaffen konnte nach Hause zu fahren, ich musste direkt zum Vorstellungsgespräch! Der Abschleppdienst kam, ich holte noch schnell die Sachen aus dem Kofferraum und ließ mich von einer Freundin abholen. In der Toilette eines Schnellrestaurants zog ich mich um und versuchte mich so gut es ging zu stylen, unter Verwendung von einigermaßen viel Deo und Parfum.

Überpünktlich kam ich in der Firma an. Das Gespräch lief gut, ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Doch dann kam die entscheidende Frage: „Ich sehe in Ihrem Lebenslauf dass Sie reiten. Meine Tochter ist auch mal geritten und ich weiß daher wie zeitintensiv dieses Hobby ist. Wie kommen Sie damit im Berufsalltag zurecht?“ Ich strich mir ein Strähne aus dem Gesicht, die beim Vorbeiführen an der Nase immer noch ganz dezent nach Pferd roch. Ich lächelte und antwortete: „Das ist doch alles nur eine Frage der richtigen Organisation, nicht wahr?“

Hattet ihr auch schon einen ähnlichen unvergesslichen Moment, den ihr ohne Pferde nie gehabt hättet? Was war euer bisher schönster oder schlimmster Moment mit Pferden?

Pferdefreunde, Reiter und Blogger repräsentieren dieses Profil.

  • Pferdelove

    Ich finde gerechte Pferdehaltung am wichtigsten, ich finde es schrecklich wenn ein Pferd Tag und Nacht in der Box steht. Ein Offenstall ist die schönste Art und Weise für die Pferde. Wenn die Pferde dann noch regelmäßig Weidegang bekommen geht es ihnen super gut. Ich finde Boxenhaltung also nicht gut, aber wenn das Pferd am Tag einmal auf die Weide kommt ist Boxenhaltung auch nicht so schlimm. Beim Offenstall ist es aber so (Bsp.):

    1 Box mit Peddog davor
    2 Box mit täglichen Weidegang
    3 Die ganze Weit auf der Weide

    Jetzt kommt bestimmt die frage auf: Ich habe ein Turnierpferd, macht es sich da nicht den Schweif oder Mähne zu dreckig?

    Nein macht es sich nicht, wenn man im Schweif- und Mähnenschutz anzieht!!!

    Unter Artgerechten Pferdehaltung versteht man natürlich auch, dass das Pferd nicht in seiner eigenen Kake steht, da Pferde in der Wildnis immer weiter wandern, was bedeutet das keiner in seiner Kake steht. Wichtig ist aber auch zu schauen ob es dem Pferd gut geht, indem man IMMER ordentlich Putzt. :-)