Lifestyle: Vereinsarbeit

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Im Bewerbungsgespräch ist es gerne gesehen, doch im Berufsalltag bereitet es oft Probleme: das ehrenamtliche Engagement, z.B. im Reitverein. Besonders kurz vor großen Veranstaltungen lässt es sich manchmal nicht vermeiden Kleinigkeiten für den Verein während der Arbeitszeit zu klären. Doch nicht immer hat der Arbeitgeber dafür Verständnis.

Als ich mein Handy aus der Hand legte erinnerte ich mich nochmal genau an die Worte meines Chefs damals beim Bewerbungsgespräch: „Wir haben auch gelesen, dass Sie sich in Ihrer Freizeit in einem Verein engagieren. Für unser Unternehmen ist es enorm wichtig, dass die Mitarbeiter engagiert sind und auch Privat bewiesen haben, dass Sie Verantwortung übernehmen können. Wir finden das also sehr positiv und unterstützen so etwas immer gerne.“ Diese Worte passten nicht so ganz mit denen überein, die ich soeben von ihm zu hören bekommen hatte: „Immer wenn ich hier vorbei komme haben Sie Ihr Handy in der Hand! Vereinsarbeit ist ja schön und gut, aber können Sie das nicht heute Abend klären?“

Ich seufzte. Nein, ich konnte es leider nicht heute Abend klären. Gerade eben hatte unsere Schriftführerin angerufen. Sie war mit mir zusammen für den Kauf der Pokale und Schleifen für das anstehende Jugendturnier beauftragt worden. Wir waren wie immer spät dran mit unseren Vorbereitungen und so war sie Vormittags ins Reitsportgeschäft gefahren und wollte alles in Auftrag geben. Nun ergaben sich im Laufe ihres Gespräches mit dem Verkäufer immer wieder neue Möglichkeiten, die sie in Rücksprache mit mir entscheiden wollte: „Sollen nur die Sieger im Führzügelwettbewerb einen kleinen Pokal erhalten oder enscheiden wir uns stattdessen für Medaillen für alle unserer jüngsten Teilnehmer? Lassen wir die Schleifen bedrucken oder reicht das Vereinslogo in der Mitte der Schleife? Sollen wir die Ehrenpreise wie Schabracken, Abschwitzdecken und Hufkratzer gleich mitbestellen oder wird das mit der Abrechnung schwierig?“ Fragen über Fragen. Wir entschieden uns dann meistens einstimmig, nachdem wir am Telefon Vor- und Nachteile jeder Entscheidung gemeinsam abgewägt hatten. So telefonierte ich ungefähr dreimal für etwa fünf Minuten. Mein Pech war nur, dass mein Chef leider jedes Mal zufällig in mein Büro kam, wenn ich gerade wieder kurz das Handy am Ohr hatte. Da private Telefongespräche in Maßen bei mir auf der Arbeit grundsätzlich erlaubt, sind dachte ich es wäre kein Problem. Vor allem weil ich sonst nie die Arbeitszeit für Gespräche nutze, außer hin und wieder für das kurze: „Ok Schatz, ich kaufe vor dem Reiten noch Brot!“, vor dem Feierabend.

Situationen wie an diesem Tag gab es bei der Arbeit schon ab und zu. Immer wieder merke ich, dass die Dinge, die manche Chefs in der Theorie fantastisch finden, in der Praxis nicht mehr so toll zu sein scheinen. Ehrenamtliches Engagement und das Übernehmen von Verantwortung in der Freizeit sind für Personalentscheider oft ein gutes Zeichen dafür, dass der zukünftige Mitarbeiter auch in der Firma viel Verantwortung und Engagement zeigt. Die Arbeit im Verein erfordert aber eben in seltenen Fällen auch das Klären von Problemen und Fragen während der Arbeitszeit. Und so wäre es den meisten Chefs am liebsten, wenn der Mitarbeiter die ehrenamtliche Tätigkeit sofort nach dem Unterschreiben des Vertrages niederlegt und sein Engagement von jetzt auf gleich ausschließlich auf die Firma konzentriert. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob es für eine Firma tatsächlich wünschenswert ist einen Mitarbeiter zu haben, der Verantwortung auf Wunsch auch sofort wieder abgibt, ohne mit voller Leidenschaft dabei zu sein.

An diesem besagten Tag waren die Schriftführerin und ich Abends noch stundenlang damit beschäftigt, gespendete Sachpreise sowie die Ehrenpreise zu sortieren. Als wir schließlich endlich Fliegensprays, Kardätschen, Gerten, Schabracken und mehr auf verschiedene Stapel gelegt und mit kleinen Zettel versehen hatten, blickten wir stolz auf unser Werk. Plötzlich klingelte mein Handy, der erste Vorstand war dran. Wir berichteten, dass alle Sachpreise bereits sortiert und die Schleifen und Pokale bestellt waren. Mitten in unsere Euphorie hinein unterbrach uns der erste Vorstand: „Ja aber warum habt ihr nicht auch noch die Medaillen für den Führzügelwettbewerb bestellt? Das wäre doch viel netter!“ „… weil die insgesamt viel teurer gewesen wären und es so ja auch nicht abgemacht gewesen war…“, antworteten wir. „Ja aber denkt doch an die Kinder. Also meine Kinder reiten da auch mit und ich sage euch: wenn da nicht alle wenigstens eine Medaille bekommen, dann habe ich den ganzen Tag keine Ruhe mehr. Wisst ihr was? Ich gehe morgen nochmal da hin und dann bestellen wir die Medaillen noch nach!“

So ist es eben mit der Vereinsarbeit: Man kann es nie allen recht machen. Aber man tut es ja trotzdem gern.

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