Ausbildung: Die Gymnastizierung des Pferdes

gymnastizierung

Das A und O des Reitens ist die Gymnastizierung des Pferdes. Dabei spielt es keine Rolle ob man freizeitmäßig unterwegs ist oder im Dressur-, Spring- oder Vielseitigkeitssport. Ausnahmslos jedes Pferd muss gut geritten und gymnastiziert werden!

Wir möchten euch ein paar Beispiele zur korrekten Gymnastizierung geben, ebenso auch die Auswirkungen schildern, wenn ein Pferd nicht ausreichend gedehnt und gebogen wird.

 

Was ist “Gymnastizieren”?

Der Begriff „Gymnastizieren“ beinhaltet das Lockern, das Geschmeidig machen und Dehnen des gesamten Pferdes. Das Pferd fühlt sich wohl, lässt den Hals fallen, macht den Rücken auf und wölbt ihn nach oben, die Kruppe schwingt, der Schweif wippt gleichmäßig und leicht hin und her.

Die Skala der Ausbildung wird hier groß geschrieben. Zur Durchlässigkeit führen die sechs Punkte Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und die Versammlung. Und ein Pferd durchlässig zu bekommen heißt nichts anderes als es zu gymnastizieren.

 

Die Frage nach dem “Warum” und “Wie häufig”?

Warum ein Pferd gymnastizieren? Damit es locker wird und bleibt, damit es Leistungsbereitschaft zeigen kann, damit keine Blockaden entstehen. Zur Häufigkeit: Am besten täglich. Selbst wenn man „nur“ ausreitet, das Pferd sollte immer über den Rücken gehen und diesen nicht wegdrücken.

Das Gymnastizieren erwirkt einen gleichmäßigen Aufbau von „korrekten“ Muskeln. Als Beispiel für „nicht korrekte“ Muskulatur ist ein Unterhals zu nennen. Dieser ist völlig unerwünscht. Falsch angesetzte Muskelpartien erschweren z. B. ein Anpassen von Ausrüstungsgegenständen und fördern nicht das gesundheitliche Wohlbefinden des Pferdes. Verspannungen und Unrittigkeit sind die Folge eines falschen Trainings. Weitere Folgen sind das Hinzuziehen eines Tierarztes und oder Osteopathen. Durch korrektes über den Rücken reiten werden Verspannungen minimiert und die Gesundheit des Pferdes und auch des Reiters bleiben erhalten.

Warum auch die Gesundheit des Reiters? Weil der Reiter korrekte Hilfen geben kann, sich zunehmend auf dem Pferd entspannen kann und durch Vermindertes Einwirken ebenso die Verspannungen in Armen, Beinen und im Rücken ausbleiben.

 

Wie gymnastiziert man ein Pferd?

Dies erfolgt zuerst am angenommenen, jedoch etwas längeren Zügel. Das Pferd soll an das Gebiss herantreten und abkauen. Am besten erreicht man dies auf groß angelegten gebogenen Linien. Das Pferd wird nach innen gestellt und das innere Bein treibt nach, der äußere Zügel führt. Die Stellung wird nie lange gehalten, die Ganaschen des Pferdes bleiben immer in Bewegung, indem man von der Innenstellung geraderichtet und auch wieder ein klein wenig nach außen stellt. Danach wieder gerade richten und wieder nach innen stellen.

Das selbe Spiel in allen Gangarten. Jeder Reiter weiß selbst am besten, in welcher Gangart sich sein Pferd am leichtesten lösen kann. Und wenn dies im Galopp der Fall ist, dann ist daran nichts Schlimmes zu sehen, wenn man nach einer ausreichenden aufwärmenden Schrittphase gleich zum Galopp übergeht und danach erst zum Trab. Der Galopp kann auch zeitweise im leichten Sitz gearbeitet werden, damit das Pferd den Rücken mehr öffnet. Der Trab wird selbstverständlich nicht gleich zu Beginn ausgesessen.

Das Gymnastizieren des Freizeitpferdes, dem evtl. kein Reitplatz zur Verfügung steht sollte so verlaufen, dass eben im Gelände die entsprechenden Hilfen für Stellungen und Geraderichten gegeben werden. Auch im Gelände kann dressurmäßig gearbeitet werden. Es erfordert etwas mehr Konzentration, aber es ist durchaus möglich. Es sollte möglichst vermieden werden, das Pferd nur am langen Zügel zu traben und galoppieren. Das Pferd wird in der Regel den Rücken nicht wölben, lässt diesen durchhängen und bekommt somit mehr Belastung und Erschütterungen auf die Rückenmuskulatur. Die Nase wird dem Pferd vorne weg laufen und ein kontrolliertes Reiten ist kaum möglich. Der entspannende Schritt kann natürlich am völlig hingegebenen Zügel erfolgen. Jedoch sollte ein korrektes Reiten wirklich beachtet werden, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden.

Ebenso ist es sinnvoll für Freizeitreiter, sich zumindest einmal in der Woche qualifizierten Reitunterricht zu gönnen, der möglichst vielseitig gestaltet wird.

 

Welche Hufschlagfiguren und Lektionen helfen bei der Gymnastizierung?

Nach der ersten Lösungsphase auf großen gebogenen Linien kann man die Wendungen enger machen und auch die Zügel mehr aufnehmen, das Pferd wird etwas mehr aufgerichtet. Nun kann der Trab auch ausgesessen werden.

Ein häufiger Handwechsel durch die Figur „aus dem Zirkel wechseln“ ist eine sehr gute Möglichkeit das Pferd fein an die Hilfen zu stellen und aufmerksam zu machen. Danach können Volten geritten werden. Zuerst in einem Durchmesser von 10m, dann 8m. Auch „durch den Zirkel wechseln“ ist eine Figur, die die Gymnastizierung des Pferdes fördert.

Sehr wichtig bei allen Handwechseln ist, dass das Pferd vor dem Richtungswechsel gerade gerichtet wird und dann erst auf die neue Hand eingestellt wird. Die Begrenzung durch das neue äußere Bein und den neuen äußeren Zügel ist enorm wichtig! Das Pferd muss sozusagen „in der Spur“ bleiben und dementsprechend so geführt werden, damit es nicht über die Schulter weg läuft oder die Hinterhand ausweicht.

Je nach Ausbildungsstand von Pferd und Reiter können dann auch Seitengänge und Übertritte eingebaut werden, sei es auf der Geraden, auf dem Zirkel oder auf diagonaler Linie. Zu diesem Thema wird es jedoch in Kürze noch einen separaten Artikel geben.

Die Gymnastizierung findet zwar hauptsächlich in der dressurmäßigen Ausbildung statt, jedoch ist es auch sinnvoll zur weiteren und abwechslungsreicheren Gymnastizierung Stangenarbeit einzubauen. Dabei kommt vor allem Trabarbeit über ca. 5 hintereinander folgende Cavaletti zum Einsatz. Für die Galopparbeit bieten sich In-&Out-Sprünge an.

Die Pferde senken hier in der Regel ihr Köpfe, wölben Hals und Rücken auf. Der Reiter entlastet den Rücken durch Leichttraben und leichten Sitz.

 

Fazit

Es ist mir persönlich ein sehr großes Anliegen, dass Pferde korrekt geritten werden und über den Rücken gehen. Nur so wird man die Gesundheit des Pferdes aufrecht erhalten können und auch dem Pferd den Spaß am Reiten erhalten, sowie auch sich selbst die Freude, weil das Reiten bei weitem nicht mehr so anstrengend ist, wenn das Pferd nicht gegen den Reiter arbeitet.

Leider sieht man vor allem im Springsport, dass die dressurmäßige Ausbildung der Pferde oftmals viel zu kurz kommt. Sehr viele Paarungen stellen im Parcours ein grausiges Bild dar, weil das Pferd absolut unrittig ist, sich den Reiterhilfen entzieht bzw. der Reiter wenig Hilfen anwendet, sondern nur durch Ziehen am inneren Zügel die Wendungen reitet. Hier wird nicht mit dem äußeren Bein oder äußeren Zügel begrenzt und ein Ausbrechen verhindert. Eine Vielzahl an Springpferden hat auch einen Unterhals.

Achtet einmal darauf und bildet euch eure eigene Meinung. Ich hoffe ihr könnt nachvollziehen, warum die Gymnastizierung des Pferdes das A und O der Reiterei ist.

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Jessy

    Klasse Blogpost. Ich freu mich schon bald all diese Übungen mit meinem Freiberger auszuprobieren :-) Noch zwei Wochen dann ist er endlich bei mir…

  • melissa

    ich finde den blog echt klasse. gucke jeden tag was es neues gibt und lese es :) und probiere es auch bei meiner aus

    echt prima der Blog :))

  • Ida

    super blogpost =)
    gymnastizierung ist sehr wichtig!
    wir machen viel bodenarbeit und stangenarbeit darf natürlich auch nicht fehlen :)

  • Tami

    Guter Beitrag, eigentlich ist es jedem bewußt, aber sehr oft wird die Gymnastizierung vernachlässigt. :( egal aus welchen Gründen.

  • Julia

    Sehr guter Beitrag :D

  • Anja

    Ich schließe mich an, super Beitrag :)
    Ich merke es immer, wenn das Pferd locker wird, erst dann komme ich richtig zum Sitzen… Gymnastizieren macht also durchaus Sinn!

  • http://reitsecondhandshop.webnode.com Luise

    Wenn nur jeder Reiter sein Pferd korrekt gymnastizieren würde…
    Wir hatten auch mal ein ausrangiertes Springpferd bei uns, dass eine Einstellerin vor dem Schlachter gerettet hatte, da es zu schlecht war. Dort musste sie nochmal ganz von vorne anfangen! Es kannte nichts außer am Zügel reißen und im vollen Tempo irgendwo drüberbrettern. Mit viel Arbeit hat sie nun ein gutes Freizeitpferd mit dem sie auch ein paar Einsteiger-Dressurturniere geht. Die beiden sind wirklich ein tolles Team und das Pferd geht wieder motiviert an die Arbeit. Sie sind das beste Beispiel dafür, dass Reiten ohne Gymnastizierung kein Reiten ist.

  • Svantje Brandt

    Super Blogpost! Echt Klasse! :)

  • Sarah

    finde den blog ebenfalls klasse:) habe auch schon viel über gymnastizieren gelesen, leider habe ich eine sehr temperamentvolle araberstute, die etwas schwer am langen zügel im galopp geht… Sie wird oft zu flott! Ansonsten bin ich super glücklich mit meiner kleinen:) ich gymnastiziere sie vor jedem reiten und merke einfach immer mehr wie gut es ihr tut:)

  • http://www.sami-loves-horses.jimdo.de Samy

    Hey

    ich finde diesen Artikel echt genial!
    Man kann ihn sehr gut umsetzen und auch mir hat er sehr viel geholfen, mittlerweile läuft meine süße viel besser und entspannter und in schöner anlehnung! Danke!!

    LG