Ausbildung: Vorder- und Hinterhandwendungen

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Die Vorhandwendung

Die Vorhandwendung ist eine lösende Übung. Sie macht Pferd und Reiter mit seitwärts treibenden Hilfen vertraut. Wie der Name schon sagt dreht sich das Pferd dabei um 180° um die eigene Vorderhand. Nehmen wir an, dass wir uns auf der linken Hand befinden und später Aufstellung auf der rechten Hand wieder finden möchten.

Hilfengebung

  • Ganze Parade zum Halten.
  • Das Pferd wird nach rechts gestellt.
  • Das Gewicht wird auf den linken Gesäßknochen verlagert.
  • Das rechte Bein gibt eine Hand breit hinter dem Gurt die treibende Hilfe.
  • Der linke Zügel verhindert ein zu starkes Abstellen.
  • Das linke Bein begrenzt die Hinterhand und verhindert ein Ausbrechen.
  • Die Lektion endet mit einer ganzen Parade zum Halten.

Die Vorhandwendung kann auch in einzelnen Abschnitten, z. B. nur in einer 90° Drehung geübt werden.

Wichtig ist, dass jedes Bein nacheinander abfußt und nicht auf der Stelle dreht. Ebenfalls, dass das Pferd auf keinen Fall einen Schritt zurück macht. Ein Schritt nach vorne ist weitaus weniger schlimm als ein Schritt zurück. Ein Schritt zurück bedeutet, dass sich das Pferd den Hilfen entzieht.

Übung

  • Am Anfang einer langen Seite auf dem zweiten Hufschlag ganze Parade zum Halten.
  • Hilfengebung für die Vorhandwendung.
  • Anreiten, kurz vor Ende der langen Seite wieder auf dem zweiten Hufschlag halten.
  • Hilfengebung für die Vorhandwendung.
  • Ein paar Mal wiederholen, nicht zu oft (ca. drei Mal pro Seite)!
  • Mit einem Erfolg, also einer geglückten Vorhandwendung abschließen.
  • Pferd nach jedem Erfolg loben!

Die Hinterhandwendung

Die Hinterhandwendung ist eine versammelnde Übung und stellt an Pferd und Reiter höhere Anforderungen. Das Pferd dreht sich um 180° um die eigene Hinterhand. Stellen wir uns wieder vor, wir wären auf der rechten Hand und wollen später auf der linken Hand sein.

Hilfengebung

  • Begonnen wird auf der rechten Hand auf dem ersten Hufschlag mit einer ganzen Parade zum Halten.
  • Das Pferd bekommt eine Rechtsstellung, der Zügel darf etwas ins Bahninnere weisen.
  • Der rechte Gesäßknochen wird vermehrt belastet.
  • Der linke Zügel begrenzt die Stellung und führt das Pferd durch ständige kleine Paraden.
  • Das rechte Bein liegt am Gurt und treibt mit kleinen Impulsen nach vorne.
  • Das linke Bein liegt verwahrend hinter dem Gurt und treibt das Pferd nach seitwärts.
  • Die Lektion endet mit einer ganzen Parade zum  Halten.

Die Hinterhandwendung kann auch zuerst nur in einer 90° Wendung geritten werden.

Wichtig ist, dass jedes Bein nacheinander abfußt und nicht auf der Stelle tritt. Die Hinterbeine dürfen nicht kreuzen. Nur beim letzten Schritt zurück auf den Hufschlag darf das innere Hinterbein über das äußere kreuzen.

Schon beim Halten ist darauf zu achten, dass das Pferd vollkommen gerade auf dem Hufschlag steht und die Hinterhand nicht in das Bahninnere weist. Falls ein Pferd dazu neigt, die Hinterhand in das Bahninnere zu nehmen kann das Halten mit einem Schulter vor vorbereitet werden. Hier hat das Pferd keine Chance mit der Hinterhand in das Bahninnere zu weichen.

Übung

  • Am Anfang einer langen Seite auf dem Hufschlag ganze Parade zum Halten.
  • Hilfengebung für die Hinterhandwendung.
  • Anreiten, kurz vor Ende der langen Seite wieder ganze Parade zum Halten.
  • Hilfengebung für die Hinterhandwendung.
  • Ein paar Mal wiederholen, nicht zu oft (ca. drei Mal pro Seite)!
  • Mit einem Erfolg, also einer geglückten Hinterhandwendung abschließen.
  • Pferd nach jedem Erfolg loben!

 

Die Kurzkehrtwendung

Die Kurzkehrtwendung erfolgt von der Hilfengebung her gleich wie bei der Hinterhandwendung. Das Abfußen bleibt gleich. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Kurzkehrtwendung aus dem Mittelschritt erfolgt, dass das Pferd vor und nach der Lektion nicht zum Stehen kommt.

Ebenso kann auch vor der Kurzkehrtwendung ein Trab angesetzt sein. Vom Trab wird durchpariert zum Schritt, ca. 2 Schritte im Schritt nach vorne geritten und dann gleich die Kurzkehrt angesetzt.

Bei der Kurzkehrt ist vermehrt auf Paraden des äußeren Zügels zu achten, da die Gefahr des Herumeilens des Pferdes größer ist.

Übung

  • Im Mittelschrit auf dem Hufschlag reiten.
  • Am Ende einer langen Seite Hilfengebung für die Kurzkehrtwendung.
  • Bei Erreichen des Hufschlags Wegreiten im Mittelschritt.
  • Kurz vor dem Ende der langen Seite Hilfengebung für die Kurzkehrtwendung.
  • Ein paar Mal wiederholen, nicht zu oft (ca. drei Mal pro Seite)!
  • Mit einem Erfolg, also einer geglückten Kurzkehrtwendung abschließen.
  • Pferd nach jedem Erfolg loben!

Wenn die Kurzkehrtwendung gut funktioniert, dann probiert sie doch auch einmal mit einem vorangehenden Trab aus. Achtet dabei jedoch sehr genau darauf, vor dem Ansetzen der Kurzkehrtwendung noch einmal deutlich mit dem äußeren Zügel aufmerksam zu machen und lasst euer Pferd nicht um das innere Bein herumeilen oder mit der Hinterhand ausweichen.

Nach dieser Variante gibt es die Möglichkeit entweder im Schritt weiter zu reiten oder gleich nach Erreichen des Hufschlags wieder anzutraben.

 

Die Schrittpirouette

Die Schrittpirouette ist gleich zu reiten wie die Kurzkehrtwendung – allerdings aus dem versammelten Schritt. Sie kann ebenfalls an der Bande um 180° geritten werden oder im Bahninneren um bis zu 360°.

Die Hilfengebung erfolgt wie bei der Kurzkehrtwendung. Es ist absolut darauf zu achten, dass der Viertakt erhalten bleibt und dass die Hinterbeine einen kleinen Kreis beschreiben. Das innere Hinterbein muss klar auf- und abfußen, möglichst dicht am vorigen Fleck wieder aufstellen und der äußere Hinterhuf und die Vorderhufe müssen um das innere Hinterbein wenden. Der letzte Schritt darf nicht kreuzen wie bei der Hinterhandwendung oder der Kurtkehrtwendung.

Übung

  • Im versammelten Schritt auf den Zirkelmittelpunkt reiten.
  • Bei Erreichen des Mittelpunktes Hilfengebung für die Schrittpirouette.
  • Je nach Ausbildungsstand von Pferd und Reiter die Pirouette um 90° bis 360° ansetzen.
  • Pferd loben.

Eine andere Möglichkeit und leichter zum Erlernen für ein junges Pferd da nicht so sehr kraftraubend auf einmal, ist das Aufteilen der Schrittpirouette auf 4 Mal 90°, angelegt auf einem großen Quadrat.

Das bedeuted:

  • Punkt im versammelten Schritt anreiten.
  • Pirouette um 90°.
  • Geradeaus ein paar Meter im versammelten Schritt wegreiten.
  • Pirouette um 90°.
  • Geradeaus ein paar Meter im versammelten Schritt wegreiten.
  • Pirouette um 90°.
  • Geradeaus ein paar Meter im versammelten Schritt wegreiten.
  • Pirouette um 90°.
  • Geradeaus weiterreiten.
  • Pferd (nach jedem Teilerfolg) loben.

 

Dies war der erste Teil der Serie der Übertritte und Seitengänge.

Viel Spaß beim Lesen, Kommentieren und Ausprobieren.

 

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Ida

    cooler beitrag, danke =D

  • Darine

    Guter Beitrag :)
    Aber mein Pferdchen kriegt die Hinterhandwendung nicht hin :(

  • Denise

    Super Beitrag – ich weiß, dass mein Mietpferd Vor-/Hinterhandwendung kann – gestern alleine mit euren Tipps die Vorhandwendung probiert – hat super geklappt!!! Jetzt kommt dann die Hinterhandwendung dran :D

    Und am meisten freue ich mich auf den nächsten Artikel mit Schenkelweichen – das will manchmal nicht so klappen (Hüfte einknicken, Pferd verbiegt sich) – wir reiten es immer über die Diagonale, aber auch hier weiß ich, dass das Pferd es eigentlich kann ;-) Für Hüfte einknicken war ein Tipp in der Mein-Pferd drinnen – Schultern gerade lassen – klappt schon viel besser :-)