Beinschutz des Pferdes: Gamaschen und Bandagen im Vergleich

bandages

Der Beinschutz für Pferde ist ein kontrovers diskutiertes Thema unter Pferdebesitzern.

  • Es gibt eine Partei die für Beinschutz für jede Bewegung des Pferdes ist.
  • Dann gibt es auch die Gruppierung, die absolut gegen den Beinschutz sind, weil evtl. kein Sinn dadurch erzielt wird.
  • Die Fraktion dazwischen vertritt die Meinung: Beinschutz ja, aber nicht bei jeder Bewegung und auch nur in einem bestimmten Maß.

Hier erfolgt nun eine Auflistung der generellen Methoden und Produkten, die als Beinschutz verwendet werden können, wie sie aufgebaut sind und welche Vor- und Nachteile diese Produkte haben können:

 

GAMASCHEN

Gamaschen haben den Vorteil, dass sie schnell und einfach anzulegen sind. Es gibt verschiedene Formen und Arten von Gamaschen:

Löffel-Gamaschen:

Sie bestehen hauptsächlich aus Neopren oder (Kunst-)Leder. An der Innenseite des Pferdebeins vom Fesselkopf bis knapp unter das Vorderfußwurzelgelenk verläuft ein Löffel aus Kunststoff. Die Löffel-Gamaschen waren vor einigen Jahren noch weit verbreitet und Standard. Nun findet man diese Gamaschen immer weniger auf dem Markt. Grund hierfür ist, dass die Löffel-Gamaschen wirklich nur Innenseite der Beine schützt. Der eigentlich empfindliche Bereich der Beugesehne wird kaum geschützt.

Hartschalen-Gamaschen:

Streichkappen:Diese ersetzen die Löffel-Gamaschen fast vollständig. Sie bestehen aus Kunststoff und sind innen mit Neopren gefüttert. Sie sind sehr leicht zu reinigen und auch anzulegen. Der gesamte Bereich des seitlichen und hinteren Fesselkopfes sowie der Beugesehne ist gegen Tritte oder andere von außen einwirkende Einflüsse geschützt.

Hartschalen-Gamaschen können auch an den Hinterbeinen verwendet werden. Allerdings ist darauf zu achten, dass dies nicht LPO-zulässig ist.

Sie sollen bewirken was der Name schon sagt: An den Fesselköpfen der Hinterbeine sollen äußerliche Einwirkungen abstreifen. Meist bekommen Pferde diese nur an weil sie mit den Hinterbeinen eng fußen und sich selbst an den Fesselköpfen streifen. Wenn Pferde beschlagen sind kann dies zu schweren Verletzungen führen.
Streichkappen sind auf Turnieren zugelassen und in ebenso vielen Materialien zu finden wie die Gamaschen.

Fesselkopf-Gamaschen:

Diese Art von Gamaschen sind eine Entwicklung aus Hartschalen-Gamaschen und Bandagen. Sie umschließen den gesamten Fesselkopf und das Röhrbein bis unter das Karpalgelenk. Sie werden gerne von Dressurreitern eingesetzt, da die Gefahr von Verletzungen durch ein Kreuzen der Beine bei Seitengängen reduziert wird.
Sie können aus Kunststoff in Verbindung mit Neopren bestehen oder ganz aus Neopren. Ebenso gibt es sie auch in der Leder-Variante.
Ein Nachteil bei den Gamaschen ist, dass wenn sie keine gute Passform am Pferdebein haben rutschen. Es sollte beim Kauf auch darauf geachtet werden, dass die Verschlüsse gut halten und auch zur Genüge vorhanden sind.

 

BANDAGEN

Bandagen bestehen eigentlich immer aus Bandagier-Unterlagen und der Bandage selbst. Da es verschiedene Gründe für das Bandagieren gibt (zu Trainingszwecken, als eine Art Verband, zum Beinschutz über Nacht usw.) gibt es auch verschiedene Materialien aus denen Bandagen gefertigt sind.
Sie werden oft von Dressurreitern angewandt um eine optimale Abdeckung der Beine zu erzielen und um so vor Verletzungen zu schützen. In der Regel wird knapp unter dem Karpal- bzw. Tarsalgelenk angesetzt und im Uhrzeigersinn um das Pferdebein gewickelt. Der Fesselkopf wird umschlossen und dann wieder nach oben gewickelt.
Generell dürfen Bandagen nicht zu fest angelegt werden, da es sonst zu einem Blutstau im Pferdebein kommt.
Vorsicht bei Bandagen in Verbindung mit Wasser: Sie ziehen sich zusammen und unterbinden dann die Blutzirkulation!


Fleece-Bandagen
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Bandagen aus Fleece-Material sind am verbreitetsten. Fleece dehnt sich nur bedingt. Hier hat man ein gutes Gefühl, dass die Bandage nicht zu fest angelegt wird.

Elastik-Bandagen:

Dieses Material ist zum Glück nur noch wenig erhältlich. Es gibt sehr viele Fälle von Pferden, denen mit diesen Bandagen die Blutzufuhr abgeschnitten wurde und die dauerhaft Schäden davon getragen haben.
Durch den elastischen Anteil kann die Bandage vorgedehnt und deshalb zu fest angelegt werden. Nur geübte Hände haben das Einfühlungsvermögen, ob die Bandage zu fest sitzt oder korrekt.

Nest-Bandagen:

Nest-Bandagen kombinieren die Bandagier-Unterlage mit dem fixierenden Stoff. Eine zusätzliche Bandagier-Unterlage fällt hier weg.
Prinzipiell ist dies ein gelungenes Produkt, jedoch sind sie für Trainingszwecke nicht geeignet, das sie nicht genügend Halt bieten. Für medizinische Verbände oder Schutzfunktion über Nacht sind sie gut geeignet.

 

BANDAGIER-UNTERLAGEN

Back On Track - Arbeitsunterlage von Horze

Grundsätzlich sollten Bandagier-Unterlagen verwendet werden um einem Blutstau vorzubeugen. Sie können auch als Wundauflage mit Salben oder Lösungen dienen.
Bandagier-Unterlagen aus Filz:
Diese Unterlagen haben sehr gute wärmende Eigenschaften, sowie auch eine optimale Stoßdämpfung. Allerdings kann es sein, dass empfindliche Pferde das Material nicht mögen weil es sich etwas kratzig anfühlt.

Bandagier-Unterlagen aus Neopren:

Sie sind sehr einfach zu reinigen und bieten eine sehr gute Stoßdämpfung. Sie verfügen auch über Lüfungslöcher, die keinen Hitzestau aufkommen lassen.

Bandagier-Unterlagen aus Baumwolle:

Dies ist die am häufigsten verwendete Unterlage und auch am flexibelsten einsetzbar. Für Angussverbände, Salben oder kühlende/wärmende Lotionen bieten sie eine hohe Saugkraft.
Sie sind also nicht nur im Training sondern auch z. B. bei der Behandlung von Verletzungen einsetzbar.

Bandagier-Kissen:

Bandagier-Kissen sind sehr dick gefüllte Unterlagen, die aber kaum für Trainingszwecke eingesetzt werden. Diese kommen als Stallbandagen zum Einsatz oder für den Transport.

STALL-GAMASCHEN

Pferde, die sich über Nacht oft anstoßen oder selbst treten bekommen über Nacht oftmals Stallgamaschen angelegt. Diese gibt es nun auch in der Ausführung mit herausnehmbaren und waschbaren Kissen.
Es gibt auch Stallgamaschen, in die man Cold- oder Heat-Packs einstecken kann, je nachdem welcher Effekt gewünscht ist.

TRANSPORT-GAMASCHEN

Um Verletzungen beim Transport im Hänger vorzubeugen legt man gerne Transport-Gamaschen an. Diese sind so konzipiert, dass die Pferdebeine Vorne ab dem Karpalgelenk bis zum Boden geschützt sind. Hinten ab dem Sprunggelenk bis zum Boden. Wenn das Pferd sich nun selbst tritt oder anstößt wird der Großteil der Einwirkung abgefangen und es entstehen viel weniger Verletzungen.

HUF-/SPRINGGLOCKEN

Sie werden häufig bei Spring- und Vielseitigkeitspferden angelegt. Sie verhindern Trittverleztungen  im Ballenbereich der Vorderhufe die durch das Eingreifen der Hinterhufe verursacht werden. Hier gilt die Devise: Lieber eine beschädigte Hufglocke als wieder den Tierarzt holen zu müssen.
Hufglocken gibt es in den Materialien Neopren, Nylon, (Kunst-)Leder und Gummi. Je nach Material sind sie mehr oder weniger pflegeintensiv. Es gibt sie auch mit einer Art „Verdrehsicherung“ was sich in einer Noppe im Inneren äußert, der die Glocke am Ballen fixiert.

 

Im Allgemeinen muss jeder Reiter für sich und sein Pferd den optimalen Beinschutz finden. Dies kann nur durch Probieren geschehen. Wenn ein Pferd empfindlich und verletzungsanfällig ist wird wahrscheinlich sehr viel getestet werden, mit was das Pferd am besten  zurechtkommt und wie am wenigsten Verletzungen entstehen und auch, was dem Pferdebesitzer von der Handhabung am besten gefällt.

 

Ihr habt bestimmt auch schon eure Erfahrungen gemacht. Teilt sie uns mit!

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Lisa Kratz

    Ich bevorzuge Gamaschen, da sie meiner Meinung nach pflegeleichter sind und man sie schneller anlegen kann.
    Mit meinen Pferden bin ich oft im Gelände unterwegs. Da kann es auch schonmal sein, dass die Gamaschen nass und dreckig werden. Meine Hartschalengamaschen habe ich dann schnell wieder sauber.

  • Mobbelmann

    Ich verzichte auf alles.
    Nachdem eine Untersuchung ergeben hat, dass Bandagen, Gamaschen und Co. den Blutfluß und Lymphbahn behindern/einschränken, so dass mehr Schaden als Nutzen erzielt wird, stellt sich mir die Frage, ob sich darüber wirklich jemand Gedanken macht, oder man es macht weil´s “Alle” so machen

  • Jenny Kallinich

    Gamaschen reiben…. Und das sag ich aus Erfahrung! Sind zwar bedeutend schlagfester, Aber was bringt mir ein offenes Röhrbein, wenn ich es eigentlich schützen wollte?!?! Fürs Wasser sind Gamaschen natürlich besser geeignet;) gibt immer für und gegen! Benutzen tu ich am Ende beides;)
    Und da ja bei Frauen bekanntlich das Auge auch mit einkauft…. Bandagen sind wesentlich kreativer gestaltet als Gamaschen! ;)

  • http://www.fotografie-von-svantje.de.to Svantje B.

    Also mein eines Shetty hat immer Gamaschen drum (vorne und hinten). Eigentlich mache ich das nicht soo gern, aber er titt sich immer gegen die Beine und ist auch nicht sehr afmerksam.

    Im Gelände habe ich immer Gamaschen drum.

    Für mein anders Shetty habe ich noch keine Gamaschen oder änhliches.
    Allerding möchte ich ihr gerne noch welche holen. Gamaschen und Bandagen. Gamaschen, wenn mal nicht so viel Zeit ist, und Bandagen, wenn es süß sein soll ;)

  • http://www.pa-do.de/ PaDo

    Ein sehr guter Beitrag, weil die Unsicherheit beim Thema Beinschutz immer größer wird. Wann ist es zuviel oder zu wenig… Ich beschäftige mich seit längerem mit dem Thema und finde, dass es ein Sorte Gamaschen gibt, die nie fehlen darf: die Transportgamaschen beim Fahren mit dem Hänger (und natürlich nur, wenn das Pferd das Tragen dieser Gamaschen bereits kennt)!

    Bei allen anderen Gamaschen kommt es tatsächlich darauf an, wie und wann man sie einsetzt. Und wie beschrieben, auf die Passform!

    Danke für diese schöne Zusammenfassung.

  • Anja

    Ich hab kein eigenes Pferd, trotzdem habe ich zwei paar Gamaschen für vorn und einen kompletten Satz Bandagen. Neben dem Schutzaspekt denke ich dass auch die Optik oft eine Rolle spielt, ich kenne viele die unzählige GAmaschen/Bandagen besitzen, damit auch für jede vorhandene Schabracke ein Gegenstück vorhanden ist!!!
    Wenn ich die Gamaschen anlege streift mein Pferd oft mit dem einen Bein am anderen entlang. Ich bin mir noch nicht so sicher, ob das nur durch die Gamaschen passiert oder ob diese in dem Moment wirklich “schlimmeres” verhindern.

  • http://reitsecondhandshop.webnode.com/ Luise

    Ich verzichte auch oft komplett auf alles. Manchmal sollte man sein Pferd einfach Pferd sein lassen. In der Natur kriegt es bei Dauerregen auch keine Decke um.
    Aber wenn ich ins Gelände gehe und weiß, dass dort Wurzeln, kleine Sprünge oder Sonstiges sind, mache ich schon ganz gern mal Fesselkopfgamaschen um, da die komplett ums Bein herum schützen. Da ist es mir lieber, das Pferd mal zu doll zu “verwöhnen”, als (schwere) Verletzungen zu riskieren.
    Von Bandagen bin ich kein Fan, da die meiner Meinung nach noch mehr zuschnüren als Gamaschen.Ich hab mich mal aus Spaß selbst bandagiert um mal zu fühlen, was das Pferd fühlt und war überrascht, wie sehr unangenehm das ist. Man fühlt sich eingeengt und abgeschnürt. Seitdem benutze ich Bandagen wirklich nur noch sehr selten, auch wenn es beim Menschen natürlich immer nochmal etwas anderes ist als beim Pferd.
    Und ganz ehrlich: Auch wenn ich mich damit auf unserem Hof unbeliebt mache, finde ich Eskadron-Freaks mit 30 verschiedenen Bandagen sowas von lächerlich! Ich möchte wirklich nicht so enden – 500 € im Monat für Eskii-Schibbi-Schabbis ausgebend, um die neue Moon- und Chilli-Kollektion zu vollenden und 30 Lammfellhalfter im Schrank hängen zu haben. Alle noch mit Preisschild und unbenutzt, versteht sich.

  • Kathi Locke

    Hallo ihr Lieben,

    also ich finde es auch nicht immer so leicht zu entscheiden, was das beste fürs Pferd ist.
    Aber auf jedenfall kann ich sagen, dass man nur bandagieren sollte, wenn man sich sicher ist, wie man das anstellt… Man sieht leider viel zu oft falsch bandagierte Pferde und das ist definitiv schlecht.
    Ich persöhnlich bandagiere eigentlich nur, für ein paar schicke Fotos oder ab und zu aufm Platz, wobei ich bei guten Boden-Verhältnissen immernoch für nackige Pferdebeine bin ;o)
    Im Gelände bin ich dann doch schon eher der Gamaschen-Typ, besonders wenns ein etwas längerer Ausflug wird und doch ab und an mal eine Straße gekreuzt werden muss und hatte auch noch nie Druckstellen oder Scheuerstellen an den Pferdebeinen.
    Wie man es letzten Endes händelt, liegt ja meist eh an der eigenen Einstellung dazu aber ich denke der Beitrag ist eine gute Hilfe um sich seiner Sache sicherer zu werden, wenn man sich unsicher ist.

  • Ida

    ich bandagier gerne, aber eher zum guten aussehen.
    lediglich beim springen/stangenarbeit/etc, gibt es gamasche zum schutz.

    lg

  • Hannah P.

    Ich finde hier ist alles gut erklährt einfach gut gemacht :)
    Gefällt mir :)

  • http://www.stallgamaschen.com Isabella

    Ich benutze im Winter für mein Pferd Stallgamaschen. Beim Reiten bandagiere ich manchmal, aber nicht so oft, nur wenn es mal zur neuen Schabracke passen soll.