Entscheidungshilfe zur Wahl der Sporen und Gerte

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Es gibt immer noch Reiter, die bei den Begriffen “Sporen” und “Gerte” zurückschrecken und dies als falsch und böse betrachten. Dies soll hier widerlegt werden. Gerten und Sporen sind nur bei ungeübten Reitern und bei falschem Gebrauch schmerzhaft für das Pferd.

In erster Linie dienen Gerten und Sporen als Hilfsmittel, als Unterstützung aller zusammenwirkenden Hilfen. Reitanfänger werden keinen Gebrauch von diesen Hilfsmitteln machen, bevor sie nicht eine ruhige Zügelführung und einen ausbalancierten Sitz haben. Sporen- und Gertenlänge sind so zu wählen, dass sie im Größenverhältnis von Pferd und Reiter zusammenwirken und je nach Disziplin bzw. Training eingesetzt werden. Im Training können andere Abmessungen verwendet werden als zum Beispiel auf Wettkämpfen nach LPO und WBO.

Wir möchten Euch hier einen Einblick geben, welche Arten von Sporen und Gerten es gibt und für welchen Einsatz sie geeignet sind.

Gerten

Gerten sind eine Verlängerung des Schenkels und eine Hilfe, das Pferd in bestimmten Körperregionen mehr zu aktivieren oder aufmerksam zu machen. Durch das Touchieren mit der Gerte soll nicht generell ein schnellerer Gang des Pferdes erreicht werden. Im Gegenteil, soll das Pferd sich versammeln ist es sinnvoll es mit der Gerte im Takt zu touchieren, damit die Aktivität des Hinterhand erhalten bleibt. Auch als Ankündigung für eine neue Lektion kann das Pferd duch ein Antippen aufmerksam gemacht werden.

Die Länge der Gerte richtet sich nach der Körpergröße des Reiters bzw. nach dem Stockmaß des Pferdes. Ebenso auch nach dem Trainingsinhalt und was es zu verbessern bzw. zu unterstützen gibt.

Fleck Springgerte von Horze

Spring-/Vielseitigkeits- und Freizeitreiter verwenden einen Springstock. Dieser besteht aus einem relativ dicken Griff, dem stabilen Stock und einer breiten Lederklatsche am Ende. Der Springstock wird nur an der Schulter des Pferdes eingesetzt. Die Klatsche erzeugt ein lautes knallendes Geräusch, das das Pferd zum Springen motivieren soll.

Laut LPO ist auf Turnieren eine Länge von 75cm inklusive Schlag zugelassen.

Bei der Dressurarbeit nutzt man längere, feinere Gerten. Der Griff ist in der Regel schmal gehalten und der Stock leicht. Der Stock sollte nicht zu starr sein, aber auch nicht zu elastisch. Bei ständigen Schwingungen ist die Gefahr groß, dass das Pferd unbeabsichtigt berührt wird. Dies kann insbesondere bei Jungpferden zu Angst führen.

Laut LPO sind auf Turnieren in Dressurprüfungen Gerten mit einer Länge von bis zu 120cm inklusive Schlag zulässig.  Im Training verwendet man jedoch häufig längere Gerten mit bis zu 150cm, damit man ganz präzise und optimale Impulse in der Region der Hinterhand geben kann. Kleinere Reiter sind mit längeren Gerten oft besser bedient, da diese die kürzeren Beine besser unterstützen.

Touchierpeitschen sind eine Kombination von Longierpeitschen und Dressurgerten. Sie sind für die Hand- und Bodenarbeit geeignet bzw. für den Trainer vom Boden aus während der Reiter vom Pferd aus Hilfen gibt. Dies wird besonders oft beim Erlernen der Piaffe angewendet.

Viele Reiter haben mehrere verschiedene Längen von Gerten. Um einen Überblick und Ordnung halten zu können bietet sich ein Gertenhalter an, der problemlos am Reitplatz oder in der Halle anzubringen ist. Je nach Trainingseinheit oder Problemstellung kann die entsprechende Gerte gewählt werden.

Sporen

Sporen sind ebenso erweiterte Schenkelhilfen wie die Gerte. Ein ständiger Gebrauch bzw. ein ständiges Bohren auf einer Stelle lässt Pferde sehr schnell abstumpfen. Sporen sind auch nicht dazu da, Pferde schneller laufen zu lassen, sondern geben Impulse, die den Bewegungsablauf auffrischen. Je nach Beinlänge des Reiters und nach Empfindlichkeit des Pferdes wählt man Sporen mit kurzem oder langem Dorn.

Es gibt verschiedene Formen von Sporenköpfen. Standard sind Dornsporen mit flachem, Kugel- oder Tränenkopf. Reiter mit besonders langen Beinen sind gut mit sogenannten Schwanenhals-Sporen bedient, da sie dem Reiter Hilfen ermöglichen, ohne dass dieser den Absatz sehr nach oben zieht. Pferde, die etwas kräftigere Impulse brauchen werden durch Radsporen aufmerksam. Radsporen gibt es mit großem und kleinem Ballrad, mit Sonnenrad, Zehnzackenrad und Feinzackenrad. Je nach Rundung der Zacken und je größer das Rad, wirken die Sporen weniger scharf.

Horze Sporen, Rollerball 20mm

Etwas ausgefallener und nicht so weit verbreitet sind Rollerball-Sporen. Diese sind vorzugsweise bei etwas trägen, jedoch auch sehr empfindlichen Pferden einzusetzen, weil der Rollerball sehr gut am Körper gleitet.

Prinzipiell ist darauf zu achten, dass die Sporen ca. 3-4 cm über dem Stiefelabsatz angebracht sind. Sie sollten in einem leichten Winkel nach unten geneigt sein. Zur Befestigung werden Nylon- oder Lederriemen verwendet. Schutz vor Reibung und Abnutzung durch die Sporen im Fersenbereich bieten Schutzüberzüge aus Gummi.

Sporen sind täglich auf Abnutzungen und scharfe Kanten zu überprüfen, Radsporen auf Ihre Gängigkeit.

 

Zulässige Dornlängen laut LPO:

In Dressur-, Dressurreiter-, Dressurpferde-LP, Gewöhnungs- und Reitpferde-LP: maximal 4,5cm inklusive Rad.

In Spring-LP, Springpferde-LP, Eignungs-LP, Kokmbinierte Dressur-/Spring-LP, Eignungs-LP: maximal 4,5cm inklusive Rad.

In Vielseitigkeits-LP: in allen Teilprüfungen maximal 3,5cm inklusive Rad.

 

Wir hoffen, dass wir einen kleinen Einblick in die große Welt der Gerten und Sporen geben konnten, möchten jedoch noch darauf hinweisen, dass hier nicht alle Formen und Arten aufgeführt wurden.

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Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Anke Faulhaber

    Hi, da faellt mir die Entscheidung sehr leicht, meine Pferde sind so fein geritten, das ich weder das eine noch das andere brauche. Und die Maedels gehn trotzdem traversalen, Wechsel etc.

    • Stephanie

      SUPER ! Finde ich absolut klasse, wenn es noch Reiter wie dich gibt :-)

  • Marie-Theres Schauerte

    Ich denke, dass wie auch im Artikel beschrieben wird, wichtig ist wie gut die Person reitet, die sie nutzt. Man sieht viel zu oft Reiter bei denen dies nicht der Fall ist.
    Ich persönlich reite mit der lilanen Gerte von Horze, die ich sehr mag, da sie super in der Hand liegt und genau so sehr flexibel ist, wie ich es mag.
    Mit Sporen reite ich nicht und kann deshalb wenig dazu sagen. Im Islandpferdesport ist dies auch nicht üblich.

  • janine

    Hallo! Dieser Artikel ist sehr informativ!Ich selbst komme aus
    dem Westernsport und wusste nicht das es auf Turnieren bestimmte
    Sporenlängen gibt, mit welchen man bei Prüfungen zugelassen ist.
    Als Westernreiter muss man sich immer für die Sporen rechtfertigen
    da diese ja so schlimm und gewaltätig sind.Meine Erfahrung ist aber
    das diese zwar gefährlich aussehen , aber besser sind als die “normalen”
    Sporen, da sie locker am Stiefel liegen(zumindestens
    bei mir) und so sehr gur abrollen
    und nicht immer die gleiche Stelle treffen ubd so starr sind.Keine Frage
    auch kann man bei falscher Handhabung auch Schäden anrichten
    aber ich bin schon mit den Westernsporen manches Pferd aus dem Dressursport
    geritten und auch wenn sie keine Sporen oder keine Rädchensporen
    kannten haben sie diese Hilfsmittel bei korrekter Handhabung gut
    angenommen!!!

  • Jaco

    Ich reite nur mit Gerte. Die reicht mir und meinem Pony.
    Die Gerte wird auch so kaumbenutzt,nur mal kurz um sie leicht an der HH anzuticken beim schenkelweichen oder so was.

  • Tami

    Ich wechsel immer ab, Manchmal reit ich absolut blank, dann auch mal nur Sporen oder auch nur Gerte oder auch mal mit beiden. Kommt immer darauf an was gerade auf dem Programm steht und wie die Laune meines Herrn is.

    Aber wie im Artikel gesagt, diese Hilfsmittel sollen mit Bedacht eingesetzt werden und Anfänger müssen die sich erst erarbeiten.

  • http://www.fotografie-von-svantje.de.to Svantje B.

    Also ich habe nur eine Gerte, diese Benutze ich aber eher für die Bodenarbeit… :)

  • Stephanie

    Zu wünschen wäre es jedem Pferd, wenn die Reiter diesen Bericht lesen UND VERSTEHEN würden. Leider gibt es viel zu viele “Reiter”, die sich mit Sporen schmücken, ohne den Sinn dieses Hilfsmittels zu verstehen. Auch bei uns im Stall ist es leider schon zur Normalität geworden, das es “Cool ist mit Sporen zu reiten”. Im Endeffekt merken diese Leute leider noch nicht einmal, was sie eigentlich ihrem Pferd damit antun, wenn sie permanent mit dem Bein klopfen und dabei die Sporen dem Pferd zwischen die Rippen hämmern. Wenn dann noch kahle Stellen am Pferdebauch zu erkennen sind, liegt das natürlich nur daran, daß das Pferd sich gescheuert hat ! Ja nee, ist klar !
    Es heißt schließlich nicht umsonst “sich die Sporen verdienen”.
    Ich würde mir auch wünschen, daß auf Turnieren die Richter mehr auf den “Mißbrauch” von Sporen (und Gerte) reagieren würden, doch leider sieht man das viel zu selten, daß ein Richter den Reiter zur Rechenschaft zieht….

  • Elena

    guter Beitrag, wie immer ;o)

  • Rabea

    Der Artikel gefällt mir gut. Besonders wegen diesen “Schwanenhalssporen”, wusste gar nicht dass es sowas gibt. Da ich ziemich lange Beine habe, wäre das durchaus eine Überlegung wert.
    Ich reite mein Pferd teils mit Sporen, teils mit Gerte, teils ohne beides. Das kommt immer drauf an, was ich vorhabe und wie das Pferd drauf ist.
    Der Hinweis mit “Hilfmittel für geübte Reiter” ist mir besonders wichtig. Sporen und Gerte sind halt kein Ersatz für Reitfähigkeiten und vernünftigen Umfang mit dem Partner Pferd…

  • Ida

    netter beitrag :)
    am besten ist es ja noch wenn man nichts brauch
    aber wenn man die “hilfsmittel” richtig einsetzt warum nicht ;)

  • Darine

    Guter Beitrag :)
    ich persönlich bin für die Gerte denn ich denke das viele Reiter besonders die Sporen falsch einsetzen .