Geschoren oder “fellig” in den Winter: Vor- und Nachteile

geschoren

Gründe für das Scheren

Es gibt Gründe, warum Pferde im Spätherbst geschoren werden sollten. Diese lauten:

  • Das Pferd steht auch den Winter über voll im Training und wird hauptsächlich in der Halle trainiert. Dies ist der häufigste Grund für das Scheren eines Pferdes.
  •  Das Pferd muss krankheitsbedingt geschoren werden (z. B. Ekzemer oder Morbus Cushing).

Zu beachten

Vor dem Scheren muss beachtet werden dass …

  • … ein geeigneter Platz zur Verfügung steht.
  • … die benötigte Ausrüstung für die Schur zur Verfügung steht.
  • … die entsprechenden Decken vorhanden sind, um das Pferd warm zu halten.
  • … die Person, die scheren wird, die richtige Kleidung trägt.
  • … die Schermethode bekannt ist.
  • … eventuell ein Helfer zum Beruhigen des Pferdes rufbereit ist.
  • … eventuell sogar ein leichtes Sedativum vom Tierarzt zur Hand ist.

Die Vorbereitung

Es ist sehr wichtig, dass das Pferd an einem ruhigen und windgeschützen Ort geschoren wird, damit am Ende des Vorgangs die Haare mit einem Besen zusammen gefegt und entsorgt werden können.

Zudem tut sich die scherende Person (und auch der eventuell hinzugezogene Helfer) gut daran, einen Einmal-Overall aus dem Baumarkt anzuziehen, weil sonst die Haare überall hängen und kaum mehr entfernt werden können.

Gummibürste von Horze

Sollte ein solcher Overall nicht griffbereit sein leistet eine Gummibürste. Diese entfernt Haare zum Großteil auch sehr gut.

Bei der Wahl der Schermaschine ist der Nutzungsgrad zu beachten. Wenn viele Pferde regelmäßig geschoren werden, empfiehlt es sich eine hochwertige Schermaschine zu kaufen. Diese ist wartungsarm und man kann mit verschiedenen Stromquellen (Batterie oder Stromnetz) arbeiten.

Die meisten Schermaschinen werden in Sets angeboten, die Reinigungs- und Wartungszubehör beinhalten.

Ebenso ist es ratsam immer mindestens eine Ersatzklinge zur Hand zu haben und die auch regelmäßig von einem Fachbetrieb neu schärfen zu lassen.

Für die schwer zu erreichenden Stellen bzw. den Kopfbereich ist eine kleine und handliche Akku-Schermaschine vorteilhaft. Diese sind in der Regel preisgünstig und leisten in einem kleinen Arbeitsbereich eine gute Arbeit.

Zwischendurch sollte das Pferd immer wieder von Haaren befreien, damit diese nicht kitzeln und das Pferd dadurch unruhig steht. Hier empfiehlt sich eine Bürste mit langen Kunststoffborsten.

Die Durchführung

Die Schermethode

Die Vollschur

Bei der Vollschur wird das komplette Pferd geschoren. Auch der Kopfbereich und die Beine werden zum Großteil kurz gehalten. Nur die Sattellage wird in der Regel der Natur überlassen. Denn würde die Sattellage auch geschoren werden und das Fell nachwachsen, käme es zu einem unangenehmen Stupfen durch die Satteldecke oder Schabracke. Dies könnte bis zu einem Wundscheuern im Rückenbereich führen.

Zudem wird die empfindliche Nierenpartie etwas vor der Kälte geschützt wenn dort der natürliche Fellwuchs belassen wird

Die Teilschur

Bei der Teilschur werden Großteile des Pferdes geschoren, jedoch nicht so intensiv wie bei der Vollschur. Hier wird beispielsweise die komplette Rückenpartie naturbelassen und nur die intensiv schwitzenden Körperpartien wie Hals, seitlicher Bauch und Flanke bis zur Hinterhand werden in einer Linie abwärts geschoren.

Wichtig nach der Schur

Geschorene Pferde müssen unbedingt immer vor Zugluft und Kälte geschützt werden. Unablässig ist eine dauerhafte Eindeckung. Hier ist die Wahl der Decke zu beachten:

Abschwitzdecke (Basis Fleece) von Horze

  • Vor und nach dem Training ist unbedingt eine wärmende und stark feuchtigkeits-abtransportierende Abschwitzdecke aufzulegen.
  • Das Pferd muss gut trocken geritten werden bevor es wieder in die Box oder auf die Weide gestellt wird.
  • Auf der Weide ist auf eine wind- und wasserabweisende Decke zu achten, die entweder eine der Temperatur angepasste Füllung hat oder dass unter eine Regendecke eine warme Stalldecke gezogen wird.
  • Für das Bewegen in der Halle, in der Führanlage, auf dem Laufband oder zu Beginn des Longierens hat sich eine Führanlagendecke bewährt. Sie schränkt die Bewegungen nicht ein, halten die Rückenpartie jedoch trotzdem schön warm.

Gründe gegen das Scheren

  • Das Pferd wird nicht ständig trainiert, sondern freizeitmäßig und hauptsächlich im Gelände geritten.
  • In den Lauf der Natur wird nicht eingegriffen und das Pferd kann den Temperaturschwankungen durch Ansetzen bzw. Verlieren des Felles auf natürlicher Weise entgegenwirken.

Für ambitionierte Freizeitreiter der Plan C

Reiter, die gerne den Winter über regelmäßig aber nur leicht bzw. bei absolut schlechter Witterung nicht trainieren möchten, haben noch die Alternative, im Spätherbst vor dem ersten Fellschub einem enormen Fellwachstum entgegenzuwirken. Hier muss die erste Kälte abgefangen werden, indem nachts eine leichte Stalldecke oder eine Abschwitzdecke aufgelegt wird. Die Füllmengen der Decken werden den Temperaturschwankungen angepasst und je nach Wetterlage eine dünnere oder dickere Decke aufgelegt.

Das Pferd bekommt einen Teil des Winterfells, jedoch nicht so stark wie Pferde, die „der Natur überlassen“ werden. Dies ermöglicht ein Training mit einer relativ geringen Abschwitz-Zeit danach. Das Risiko von Erkältungen sinkt ebenfalls.

Doch auch hier gilt: Vor und nach dem Reiten auf jeden Fall eine Decke auflegen und das Pferd erst vollkommen trocken auf die Weide oder den Paddock lassen.

Im Frühjahr, mit zunehmenden Temperaturen, wird die Füllung der Decke ebenfalls wieder variieren bis das Pferd ohne zu frieren wieder vollkommen ohne Decke den Tag genießen kann.

 

Was bevorzugen eure Pferde? Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Alena

    Also ich habe meinem kleinen Hafi dieses Jahr eine Teilrasur verpasst. Bei seiner frueheren Besitzerin wurde er gar nicht oder nur am Hals geschoren und ich hatte immer Probleme ihn wieder trocken zu bekommen, so dass ich an Tagen, an denen ich weniger Zeit hatte nicht reiten konnte. dazu hat er sich natürlich immer im Matsch gewälzt undich habe den Schmutz dann nicht aus der Sattellage bekommen. Dieses Jahr habe ich nun Hals, Brust, und Bauch geschoren und habe viel mehr Spaß am reiten, da ich nicht stundenlang trockenreiten muss und der kleine hat mehr Spaß sich zu bewegen. Und durch die Decke bleibt er auch schön sauber, was mir fast etwas leid tut, weil er sich gar nicht mehr schön im Matsch wälzen kann. Deshalb gehe ich Regelmäßig mit ihm in die Longierhalle, dass er sich schön wälzen kann. Durch die Decke habe ich auch nicht das Gefühl, dass er friert und mit seiner Paddockpartnerin habe ich echtes Glück, da sie die Decke auch nicht kaputt beißt. krank wurde der kleine durch Scheren noch nie.
    Ich finde allerdings, dass man abwägen muss, ob man seinem Pferd die Rasur wirklich antun möchte, vor allem wenn man wenig reitet und das Pferd nicht so dickes Fell hat, oder wenn das Pferd wirklich Panik vor der Maschine hat. Mein Pony steht da zum Glück still und döst vor sich hin, sonst hätte ich es auch nicht gemacht. Man sollte also wirklich gut überlegen und die vor- und Nachteile bedenken und letztendlich immer zum Vorteil des Pferdes entscheiden.

    P.S : ich finde diesen Beitrag sehr gut gelungen :)

  • L. Hinzmann

    Ich finde das ganzheitliche Scheren von Pferden meist sehr unangebracht. Auch wenn die Pferde viel schwitzen, bin ich entweder für eine Teilrasur oder für die EInschränkung des Trainings. Bei hohen Turnierpferden ist das etwas anderes, da sie im täglichen Training sind und meist in Boxen gehalten werden, doch wenn junge Reiter/innen Ihre Pferde scheren, damit diese schick und cool aussehen, versteh ich das echt nicht mehr! Stellt ihr euch doch mal 22 Stunden nur mit einer Decke in die Box! Das ist verdammt kalt, wenn der Stall nicht beheizt ist (und das sind die wenigsten). Gönnt eurem Pferd doch einfach ein bischen Winterpause und lasst es lieber kurz mit der Abschwitzdecke stehen, anstatt ihm das Wärmepolster zu nehmen.
    Wir haben unsere Pferde in Offenstallhaltung stehen und bei uns ist kein Pferd geschoren, da wir einfach das Training etwas zurück stecken und der Natur nicht dazwischenfunken.

  • Jaco

    Meine wurde diesen winter nicht geschoren.sonst Ja.
    dann halt immer schön warm eingedeckt das sie nicht krank wird. doch diesen winteranfang beckam sie gleich einen Husten.Da haben wir es dann gelassen.

  • Anke Faulhaber

    meine Stute hat ein richtiges Teddyfell, wollte erst scheren, aber wir haben uns nun drauf geeinigt, das sie die Horze Abschwitzdecke mit Bauchgurten drauf bekommt und bis ich im Stall fertig bin mit misten, füttern etc. ist sie nur noch in den flancken nass dann bekommt sie eine neue decke drauf, nur über die nieren und ihr sag ihr dann soll sie runter machen wenn sie trocken ist und vorne an die boxentür legen. Klappt immer, unglaublich ist aber so, daher brauchen wir keine Schermaschine :-))

  • Svantje B.

    Also ich habe ein Shetty, welches 1-4 mal die Woche (gut) longiert wird. Dann schwitz sie sehr, aber Scheren möchte ich sie nicht, da sie decken hasst.
    Ich mache ihr dannach eine Abschwitzdecke drauf, und benutze Plan C ;)
    Der Araber bildet auch nie so riichtiges Winterfell, von daher braucht sie auch nicht geschoren werden ;)