Longieren – Ausbildung, Ausgleich und Ergänzung

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Der Sinn des Longierens

Das Longieren ist in der Regel der erste Ausbildungsschritt eines Reitpferdes. Hier wird das Pferd an die Ausrüstung gewöhnt, lernt diese zu akzeptieren, lernt auf Kommandos zu hören, die Kondition wird gestärkt und Muskeln werden entwickelt. In dieser Phase entsteht ein intensiver Kontakt zwischen Pferd und Reiter.

Longieren dient zudem als Trainingsmethode für Pferde in einer Aufbauphase, z. B. nach einer Erkrankung oder längeren Reitpause. Die Muskulatur (vor allem des Rückens) wird sanft und präzise angesetzt. Auch am Tag nach einem harten Training kann das Longieren als “Auslaufen” und Lockern praktiziert werden.

Außerdem dient Longieren als Ausgleich für Reiter und Pferd, damit nicht jeden Tag geritten werden muss. Ebenso ist es eine optimale Ergänzung zum täglichen Training, da das Longieren sehr individuell gestaltet werden kann.

 

Die Longierausrüstung

Es ist fast schon unablässig, dass der Longenführer Handschuhe trägt. Sie bewahren vor schlimmen Brandwunden die entstehen können, wenn eine Longe von einem durchgehenden Pferd durch die Hand gezogen wird. Der Handschuh sollte im Winter warm sein, in jedem Fall jedoch griffig und er sollte das Gefühl der Hand nicht beeinträchtigen.

Die Longe wurde als Longierzubehör bereits erwähnt. Es sollte ein griffiges Material sein. Dann kommt es auf die Vorlieben des Longenführers an. Es gibt Longen, die über zwei Wirbel verfügen, einmal am Karabiner und zustätzlich noch ca. 10cm tiefer. Diese Longen werden immer weniger angeboten, weil sie ein massives Verdrehen der Longe verursachen. Hauptsächlich werden nur noch Longen vertrieben, die den Wirbel am Karabiner haben. Ein Ausdrehen der Longe ist damit ohne Probleme möglich. Voltigierer nehmen gerne schwere Longen, oft aus Gurtmaterial, allerdings ohne Stege. Die Longe flattert nicht sonder liegt ruhig zwischen Pferd und Longenführer.

Der Longenführer hat eine Longierpeitsche in der Hand. Diese sollte so gewählt werden, dass ohne Probleme das Pferd touchiert und geführt werden kann. Die Rute an sich sollte mindestens 200cm lang sein, zusätzlich hat diese dann noch einen Schlag, der ungefähr weitere 250cm lang ist. Longiert man oft empfiehlt es sich eine Longierpeitsche aus Fieberglas anzuschaffen, weil diese sehr viel leichter ist als Standart-Peitschen.

Bei einem jungen Pferd, das den ersten Kontakt mit Arbeit bzw. Training hat, ist es sinnvoll einen Kappzaum anzulegen. Dieser bietet dem Longenführer eine gute Führung und Kontrolle, auch über ein ungestümes Pferd. Hier kann die Longe in den Ringen auf dem Nasenriemen befestigt werden, sodass das Pferd keine negativen Erfahrungen in Verbindung mit einem Gebiss macht, dass bei den ersten Einheiten sehr scharf und ungewohnt einwirkt. Es gibt Kappzäume, in die ein Gebiss eingeschnallt werden kann. So können Jungpferde leicht an das Gebiss herangeführt werden. Verfügt der Kappzaum nicht über diese Einschnallmöglichkeit, kann auch ein Genickstück eines Trensenzaums eingefügt werden.

Welches Gebiss das geeignete ist kann in den Blog-Artikeln “Tipps für die Wahl des richtigen Gebisses” und “Pferdegebiss messen & Vor- und Nachteile der Gebissmaterialien” nachgelesen werden.

Zur Gewöhnung eines Jungpferdes an einen Gegenstand auf dem Rücken und einem Gurt am Bauch kann man einen Longiergurt nehmen. Dieser ist nicht sehr schwer und wird in der Regel sehr gut akzeptiert. Die meisten Longiergurte bieten durch viele Ringe verschiedenste Möglichkeiten einen Hilfs- und Ausbindezügel anzuwenden, damit ein Training vielseitig, abwechslungsreich und auf den jeweiligen gewünschen Effekt (z. B. nur vorwärts-abwärts Arbeit oder eine Aufrichtung) gestaltet werden kann. Natürlich kann auch mit einem Sattel longiert werden oder gar der Longiergurt über dem Sattel angelegt werden.

 

Bei den Hilfszügeln gibt es zwei Arten, die am meisten verbreitet eingesetzt werden.

Der Ausbindezügel:

Diesen gibt es in der starren Ausführung und auch mit einem Gummiring. Letzterer ist allerdings nicht LPO-zulässig. Der Vorteil des Ausbindezügel ist, dass das Pferd eine gleichmäßige Anlehnung hat und auch lernt diese anzunehmen. Junge Pferde werden aus diesem Grund die ersten Einheiten mit einem Ausbindezügel kennenlernen. Der Nachteil dieses Hilfszügels ist, dass er keine Dehnung nach vorwärts-abwärts zulässt, sondern nur nach abwärts. Eine optimale Dehnungshaltung des Pferdes kann nicht vollständig erfolgen.

Der Dreieckszügel/Laufferzügel:

Er wird hauptsächlich verwendet weil er sich vielseitig einsetzen lässt. Der klare Vorteil ist, dass er die Dehnungshaltung nach vorwärts-abwärts optimal zulässt. Ein weiterer Vorteil sind die vielfältigen Verschnallungen, die mit dem Dreieckszügel angewandt werden können. Es kann das untere Dreieck eingestellt werden: Das Mittelstück wird am Gurt befestigt, läuft durch die Vorderbeine durch die Trensenringe und an die untersten Ringe des Longiergurts oder an die Gurtstrippen des Sattels. Hier wird vor allem das Aufwölben und Dehnen des Rückens, also auch eine Lockerung der Muskulatur, bewirkt, da das Pferd den Kopf senkt und dementsprechend vorwärts-abwärts läuft. Das obere Dreieck bedeutet, wenn die Enden des Hilfszügels links und rechts jeweils im letzten Ring befestigt und dann durch die Trensenringe zurück an die oberen Ringe des Longiergurtes bzw. zu den Vorderzeug-Fallringen führen. Hier wird das Pferd vermehrt aufgerichtet. Der Nachteil des Dreieckszügels wiederum ist, dass das Pferd keine stetige Anlehnung findet. Unausbalancierte Pferde werden so nicht wirklich gut trainiert und in der weiteren Ausbildung oder Training in der Zügelanlehnung nicht verbessert.

Die Longierhilfe

Wer nur zwischendurch und für eine kurze Zeit (ca. 15  Minuten) longieren möchte, findet den Aufwand mit Kappzaum, Longiergurt und Ausbinder oft zu viel. Hier gibt es eine Möglichkeit durch eine so genannte Longierhilfe eine Erleichterung zu schaffen. Diese wird über den Rücken des Pferdes gelegt und dann jeweils links und rechts hinter dem Ellbogen des Pferdes in das Halfter oder in die Trensenringe eingeschnallt. Die Longierhilfe ist absolut nicht für unausbalancierte und/oder junge Pferde geeignet weil hier das Risiko von Verletzungen durch ein Verheddern mit den Beinen zu hoch ist. Ebenso wird dann kein Trainingseffekt erzielt. Zudem ist der Nachteil, dass durch die Bewegungen der Vorderbeine die Longierhilfe auf dem Rücken hin und her “schrubbt”, was bei empfindlichen Pferden sehr schnell zu offenen Wunden führen kann.

 

Zur generellen Ausrüstung  für das Longieren ist hier das Wichtigste gesagt. Ob man dem Pferd nun noch Gamaschen, Bandagen, Hufglocken oder Ähnliches anlegen möchte bleibt jedem selbst überlassen. Anregungen, Vor- und Nachteile können dem Blog-Artikel “Beinschutz des Pferdes: Gamaschen und Bandagen im Vergleich” entnommen werden.

Jedoch soll hier noch etwas zu dem Phänomen der Longierbrille gesagt sein:

Die Meinung ist weit verbreitet, dass die Longierbrille dem Pferd Erleichterung im Maul bringt, wenn man diese in die Gebissringe einhängt und die Longe am Vebindungsstück in der Mitte. Nun sollte man sich aber einmal vorstellen, was im Pferdemaul vorgeht wenn die  Longe angenommen wird:

Das Verbindungsstück in der Mitte ist fest, kann nicht zu einer Seite verrutschen. Man nimmt die Longe an und die äußere Seite des Gebisses bekommt den ganzen ausgeübten Druck ab. Generell führt zwar der äußere Zügel beim Reiten. Doch durch die Longierbrille ruft dies z. B. bei einem einfach gebrochenen Gebiss den Nussknacker-Effekt hervor. Die Longierbrille ist zum Longieren im Grunde nicht gut geeignet.

 

Die Arbeit an der Doppellonge:

Erfahrene Longenführer, die evtl. sogar schon einen entsprechenden Kurs mitgemacht haben, oder auch Kutschfahrer, trainieren ihr Pferd auch gerne mit der Doppellonge. Der Vorteil ist ganz klar, dass hier nicht nur auf dem Zirkel gearbeitet wird und auch nicht “nur” die Grundgangarten abgefragt werden. Hier können auch Lektionen wie Seitengänge oder Versammlungen trainiert werden. Als Hilfsmittel eignet sich hier eine Bogenpeitsche oder eine lange Dressurgerte.

Stangenarbeit:

Stangenarbeit bietet eine willkommene Abwechslung sowie Gymnastizierung, vor allem für Dressurpferde, die wenig gesprungen werden. Dafür werden ca. drei bis fünf Stangen auf den Boden oder auch auf Halterungen gelegt. Es können auch Cavaletti verwendet werden. Darüber können die Pferde traben oder es können auch in-and-out-Sprünge gemacht werden. Dies sollten aber nur erfahrene Longenführer praktizieren, weil die Abmessungen für die jeweiligen Schrittlängen entsprechend verändert werden müssen.

 

Eine Richtlinie für die Dauer des Longierens sind ca. 30 Minuten. Durch die ständige Bewegung auf dem Zirkel werden die Bänder und Sehnen viel stärker beansprucht als beim normalen Reiten. Deshalb ist diese Richtlinie ernsthaft zu beachten um Verletzungen und bleibenden Schäden vorzubeugen.

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Christina Wölfle

    das war ein suuuuuuuper Beitrag! vor allem wusste ich vorher nicht welche Auswirkungen die Longierbrille hat. danke für die aufklärung ;)
    lg Christina

  • Stephanie

    Ist ein toller Beitrag, sehr umfangreich und verständlich erklärt.
    Das Thema mit der Longierbrille ist allerdings wie so vieles ein “Streitpunkt”. Bei meiner Longierbrille z.B. ist das Mittelstück nicht fixiert, so das es sich innerhalb der Verbindung verschieben lässt.
    Andere Methoden, wie z.B. das Einschnallen der Longe in den inneren Trensenring, oder durch den inneren Trensenring im äußeren einhaken, hingegen halte ich auch nicht für besonders geeignet. Grundsätzlich sollte das Pferd immer korrekt ausgebunden sein, dann können unschöne Momente im Pferdemaul vermieden werden.
    Zum Thema Kappzaum sollte vielleicht noch erwähnt werden, daß man bei der Verwendung UNBEDINGT darauf achten sollte, daß dieser PERFEKT paßt, da man ansonsten auch sehr viel verkehrt machen kann, z.B. der Zaum dem Pferd ins Auge rutscht oder zuviel Druck auf den Nasenrücken ausübt. Nicht jedes Pferd mag einen solchen Zaum und einige reagieren eher panisch, und wenn der Zaum dann noch rutscht oder drückt, verschlimmert dies die Situation noch eher, als das sie Erfolg verspricht.

  • http://pferdecamp.us Corinna

    Das war ein toller uns ausführlicher Bericht zum Longieren. Ich finde es jedoch noch wichtig anzumerken, dass das Pferd nicht zu lange auf die gleiche Weise longiert wird, sonst wird nur der Körper des Pferdes geschult und das Hirn muss gar nicht mehr mitdenken. Eine gute Idee ist es, Stangen mit zu nutzen (wie im Artikel erwähnt) oder Tempo- und Richtungswechsel miteinzubauen.

  • saskia

    der beitrag ist richtig SUUUUUPPPPPEEEER
    den habe ich gerade gebraucht ,

    MACHT WEITER SOO ;DDDD

  • Tami

    Ich longiere gern mit Kappzaum, meiner macht da am Besten mit. Oder auch frei mit ganz viel Übergänge und Handwechsel. Das richtig gemacht hat den gleichen Effekt wie Ausbinder. Konnte da schon einige Zweifler davon überzeugen das das geht, wenn man es richtig macht. Stangenarbeit gehört zur Lockerung einfach dazu. Aber meiner wird nie gleich Longiert. Sonst wird er dössig weil es ihn lnagweilt.

  • http://www.fotografie-von-svantje.de.to Svantje B.

    Der Beitrag ist toll, auch die erklärung der Longierbrille ;)

    Ich longiere meine kleine ja nur – ich reite sie nicht.

  • Elena

    Toller Beitrag, gerne mehr!!! ;o)

  • Anja Keller

    Toller Artikel. Habe letztes Jahr mein Longierabzeichen IV mit Bestnoten für mein Pferd und mich im Reitverein Mittenwalde e.V. gemacht. Longieren und Bodenarbeit sind echt wichtig. Würde gerne als nächstes die Arbeit mir der Doppellonge erlernen…