Pferd impfen: Wissenswertes über Impfungen

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Jeder Reiter und Pferdebesitzer sollte ein paar Fakten über die Gesundheit und Gesunderhaltung des Pferdes besitzen. Die drei wichtigsten Informationen, die auch in den verschiedenen Reitabzeichen-Prüfungen abgefragt werden, sind die PAT-Werte. P steht für Puls, A für Atmung und T für die Körpertemperatur.

Unterschieden werden Fohlen und erwachsene Pferde, ebenso der Ruhezustand und unter Belastung.

Ruhezustand

Puls: 28 – 40 Schläge/Min. (Fohlen: 80 Schläge/Min)

Atmung: 8 -16 Züge/Min. (Fohlen: 24 – 30 Züge/Min.)

Temperatur: 37,5° – 38,0° C (Fohlen: 37,5° – 38,5° C)

Belastungszustand

Puls: bis 220 Schläge/Min.

Atmung: 80 – 100 Züge/Min.

Temperatur: max. 41° C

 

Die PAT-Werte sind ausschlaggebend dafür, ob ein Pferd geimpft werden kann oder nicht.

Es gibt eine Vielzahl von Impfstoffen für Pferde auf dem Markt, ebenso viele verschiedene Hersteller eines Impfstoffes. Dabei gibt es unverzichtbare Impfungen, die auf jeden Fall durchgeführt werden sollten. Allerdings gibt es in Deutschland keine Impfpflicht und es bleibt jedem Pferdebesitzer selbst überlassen, ob er sein Pferd impfen lässt oder nicht.

Impfen ist eine prophylaktische, also vorsorgende, Medizin, um Krankheiten zu vermeiden bzw. einen Krankheitsverlauf abzumildern.

Impfgegner argumentieren ihre Abneigung mit Impfreaktionen und deklarieren das Impfen als Geldmacherei der Tierärzte und Pharmaindustrie.

Generell kann nur gegen eine durch Viren hervorgerufene Krankheit geimpft werden, nicht gegen Bakterien!

Wir möchten euch hier die verschiedenen Impfungen vorstellen und den Sinn und die Notwendigkeit der Impfung erläutern.

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Die wichtigste Information zu Tetanus ist, dass Pferde und Ziegen die anfälligsten Tierarten hierfür sind! Da der Krankheitsverlauf sehr qualvoll ist, sollte hier eigentlich aus rein tierschutzrechtlichen Gründen eine Impfpflicht bestehen!

Wie infiziert sich ein Pferd?

Tetanus-Viren können durch kleinste Hautverletzungen übertragen werden. Sie befinden sich permanent und überall in unserer Umwelt.

Wie äußern sich die Symptome?

Der Tetanuserreger produziert einen Giftstoff (Toxin), welches die Nervenzellen angreift. Dies führt dazu, dass das Pferd nicht zu kontrollierende Krampfanfälle bekommt. Dies geschieht bei vollem Bewusstsein und versetzt die Pferde somit zunehmend in Panik.

Zu Beginn äußern sich die Krämpfe in der Skelettmuskulatur: Die Pferde stehen mit steif nach vorne gestreckten Beinen und weit vorgestrecktem Hals da. Dies nennt man Sägebockstellung. Die Kaumuskulatur ist stark angespannt, deshalb kann kein Futter mehr aufgenommen werden. Die Krämpfe kosten enorm viel Energie und lassen das Pferd schließlich erschöpft umfallen, die Beine können nicht angewinkelt werden.

Welche Prognose hat das Pferd?

In der Regel verläuft Tetanus tödlich. Selbst die heutige weit entwickelte Medizin kann nur einen sehr geringen Prozentsatz an tetanuserkrankten Pferden retten.

Impfschema

Die Grundimmunisierung erfolgt durch zwei Impfungen im Abstand von sechs bis acht Wochen. Eine dritte Impfung ist ein Jahr später durchzuführen, dann ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Danach sind lediglich alle zwei Jahre Nachimpfungen fällig.

Tragende Stuten sollten im letzten Drittel der Trächtigkeit noch einmal geimpft werden, damit das Fohlen in den ersten Lebensmonaten bereits gegen Tetanus geschützt ist (passiver Immunschutz). Fohlen dürfen nicht zu früh geimpft werden.

Fazit

Diese Impfung ist ein MUSS!!!

Influenza (Pferdegrippe)

Zwar ist die Pferdeinfluenza verwandt mit dem Erreger des menschlichen Grippevirus, jedoch besteht keinerlei Gefahr, dass ein erkranktes Pferd die Influenza auf den Menschen überträgt und auch umgekehrt.

Wie infiziert sich ein Pferd?

Die Erreger übertragen sich durch die Tröpfcheninfektion von infizierten Artgenossen. Dies kann durch Husten von Pferden der Nachbarbox geschehen, oder wenn ein gesundes und ein infiziertes Pferd aus dem gleichen Eimer trinken. Die Erreger bleiben auf eine Distanz von bis zu 35 Metern infektionsfähig!

Wie äußern sich die Symptome?

Fieber, Husten, allgemeine Mattheit und auch Appetitlosigkeit stellen sich ein. Die Temperatur steigt schnell auf über 39° C an. Oftmals verschlimmern Bakterien die Grippe noch mehr, weil der Körper schon genug damit zu tun hat, die Viren zu bekämpfen.

Welche Prognose hat das Pferd?

In der Regel sind alle Influenza-Infektionen zu 100% heilbar. Jedoch müssen verschiedene Regeln beachtet werden, sonst können Folgeschäden bleiben. Der Tierarzt sollte auf jeden Fall hinzugezogen werden. Nur er kann die Schwere der Erkrankung feststellen und auch die entsprechenden Medikamente verordnen.

Das Pferd darf auf keinen Fall wieder zu früh belastet werden, da dies Schäden z. B. an Lunge und Herzmuskel hervorrufen kann, was eine lebenslange Einschränkung als Reitpferd zur Folge haben kann. Eine Faustregel hier ist: Pro Tag, an dem das Pferd an Fieber leidet, sollte eine Woche Ruhe eingehalten werden. Sprich: Vier Tage Fieber – vier Wochen ohne Belastung!

Impfschema

Pferde sollten nicht vor der Vollendung des ersten Lebensjahres gegen Influenza geimpft werden.

Die Grundimmunisierung erfolgt durch zwei Impfungen im Abstand von sechs bis zehn Wochen. Bei Turnierpferden muss der Impfschutz dann alle sechs Monate aufgefrischt werden.

Fazit

Die Influenza-Impfung ist generell sinnvoll. Durch die FN ist sie bei Turnierpferden halbjährlich vorgeschrieben. Impfpasskontrollen finden auch auf jedem Turnier statt.

Sollten Pferde nicht auf Wettbewerben vorgestellt werden und haben hauptsächlich nur mit den Pferden des heimatlichen Stalles Kontakt, ist eine jährliche Auffrisch-Impfung empfehlenswert. Werden jedoch andere Pferde des Stalles auf Turnieren vorgestellt können diese Erreger mit in den Stall bringen.

Ebenso ist es ratsam die halbjährliche Impfung durchzuführen, wenn man häufig Kontakt mit Pferden aus anderen Ställen hat, z. B. wenn man in Gruppen ausreitet.

Equine Herpesvirusinfektionen (Virusabort, Rhinopneumonits)

Es gibt eine ganze Reihe von Herpesviren, die bei Pferden und Pferde-Verwandten entdeckt wurden. Sie werden kurz als EHV-1 bis 8 gekennzeichnet. Die Reihenfolge ergab sich aus der Reihenfolge der Entdeckung der Erreger. Die gefährlichsten Erreger sind das EHV-1- und EHV-4-Virus. Gegen diese Erkrankungen besteht ein Impfstoff.

Wie infiziert sich ein Pferd?

Herpesviren schlummern in jedem Pferd, wie auch in jedem Menschen. Wenn nicht dagegen geimpft wird bzw. geimpft werden kann, können die Erreger eines Tages aktiv werden und die nachfolgend beschriebenen Symptome auslösen. Es kann aber auch sein, dass die Erreger lebenslang inaktiv bleiben.

Wie äußern sich die Symptome?

EHV-1-Viren sind gefürchtet bei Pferdezüchtern, weil sie den gefährlichen Virusabort verursachen.

EHV-4-Viren lösen gefährliche Atemwegserkrankungen aus. Dies äußert sich durch eine allgemeine Infektion von der oberen und unteren Atemwege. Die Schleimhäute sind gereizt und die Pferde Husten, dies kann auch zu einer Lungenentzündung führen.

In seltenen Fällen können beide Erreger auch eine Lähmung (Paralyse) hervorrufen, die sich in Koordinationsstörungen (Ataxie) äußert. Ebenso sind die Pferde nicht mehr dazu ein der Lage Urin und Kot abzusetzen. Folglich führt dies auch zu einem Festliegen des Pferdes.

Welche Prognose hat das Pferd?

Wenn die Herpesviren eine Paralyse hervorrufen führt dies oftmals zum Tod des Pferdes.

Tragende Stuten verfohlen entweder im letzten Drittel der Trächtigkeit oder die Fohlen kommen tot oder sehr lebensschwach zur Welt.

Impfschema

Die Grundimmunisierung erfolgt durch zwei Impfungen im Abstand von sechs bis zehn Wochen. Der Impfstoff muss auf jeden Fall gegen EHV-1- und EHV-4-Viren wirksam sein, egal ob Stute, Hengst oder Wallach. Nach der Grundimmunisierung sollte der Impfschutz halbjährlich aufgefrischt werden.

Bei Züchtern und auch Pferde, die viel Kontakt zu fremden Artgenossen haben (z. B. Turnierpferde) werden häufig auch alle drei bis vier Monate Auffrisch-Impfungen durchgeführt.

Gegen den Virusabort werden die tragenden Stuten regelmäßig im 5., 7. Und 9. Monat gegen EHV-1 geimpft.

Fazit

Tragende Stute und Turnierpferde sind gut damit beraten, die EHV-Impfungen zu bekommen. In einem kleineren Stall ist es nur dann sinnvoll, wenn ALLE Pferde des Stalles gegen Herpes geimpft wurden.

Bei Hengsten und Wallachen kann diese Herpes-Impfung also allgemein etwas vernachlässigt werden.

Tollwut

Die Tollwut gehört zu den Tierseuchen die anzeigepflichtig ist!

Wie äußern sich die Symptome?

Tollwutsymptome äußern sich in drei verschiedenen Stadien.

Im ersten Stadium treten Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall, evtl. Husten auf. Ebenso reagiert das infizierte Pferd sehr empfindlich auf Licht, Geräusche und Luftzug, das Fieber steigt stetig an.

Das zweite Stadium äußert sich durch Hyperaktivität mit Muskelzuckungen und Krämpfen. Angst, Unruhe, Aggressivität, Apathie sind weitere Symptome. Der Klang von fließendem Wasser verursacht Krämpfe, die sich auf die gesamte Muskulatur auswirken.

Im letzten Stadium treten vermehr Lähmungen auf. Das Pferd scheint ins Koma zu fallen und würde an eine Atemlähmung sterben.

Welche Prognose hat das Pferd?

Eine Infektion mit der Tollwut ist nicht gleichzeitig mit dem Ausbruch der Krankheit verbunden. Jedoch ist dies sehr wahrscheinlich. Ist die Krankheit erst ausgebrochen endet sie stets tödlich. Der Tierarzt hat die Pflicht, das Tier schnellst möglich von seinen Leiden zu erlösen, sobald er den Verdacht der Tollwut bestätigt hat.

Impfschema

Eine Grundimmunisierung ist nicht notwendig. Schon wenige Tage nach Impfung mit den Antikörpern bildet das Immunsystem einen ausreichenden Schutz. Auffrisch-Impfungen finden – je nach Herstellerangaben – jährlich oder alle zwei Jahre statt.

Fazit

Selbst wenn verschiedene Regionen in Deutschland als tollwutfrei bezeichnet werden – sicher kann man sich nie sein.

Meist wird Tollwut durch Bisse von infizierten Füchsen übertragen. Pferde, die viel auf der Weide, vor allem auch abends, sind, sind besonders gefährdet. Pferde verteidigen oftmals ihre Koppel als „ihr Revier“ und greifen eindringende Füchse an.

Doch nicht nur Füchse übertragen Tollwut. Immer häufiger wird gemeldet, dass Fledermäuse mit Tollwut infiziert sind. Fledermäuse halten sich oft in Pferdeställen auf.

Da der Tollwut-Impfstoff ein relativ billiges Präparat ist sollte man sich nicht davor scheuen, die Impfung durchzuführen.

Impfreaktionen

Als Nebenwirkungen nach Impfungen können einige Tage leichtes Fieber und Apathie auftreten oder auch verdickte, verhärtete Stellen oder gar Abszesse in der Impfregion. Jedoch wird dies in wenigen Tagen resorbiert sein bzw. sich das Pferd nach wenigen Tagen wieder fit fühlen. Pferde sollten nach der Impfung für ca. drei Tage gut beobachtet und geschont werden, allenfalls Bewegung im Schritt und auf der Weide haben.

Impfabszesse kann man in der Regel mit dem Wechsel des Herstellers schon vermeiden. Manche Pferde reagieren auf gewisse Inhaltsstoffe bestimmter Hersteller.

Die wichtigsten Punkte zur Impfung:

  • Nur gesunde Pferde impfen!
  • Impfintervalle einhalten!
  • Ruhe und Schonung am Tag der Impfung und ein paar Tage danach!
  • Regelmäßig entwurmen (bestenfalls zwei Wochen vor der Impfung)

 

Impfungen sind sinnvoll und sollten durchgeführt werden – alle Impfungen die nötig sind, jedoch nicht alle die möglich sind!

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Leni

    Tetanusviren??? Clostridium tetani ist ein Bakterium!!!

  • Ulrike

    Danke, ich wollte grad genau das Gleiche schreiben.

    Eine weitere Anmerkung: Man kann prinzipiell gegen alles impfen, was eine Reaktion des Immunsystems hervorruft. Nicht nur gegen Viren. Es gibt nur beim Pferd wenige bakterielle Erkrankungen, gegen die geimpft wird, und die Impfung ist auch nicht immer wirksam (bspw. Druse). Dies liegt aber nicht an der Tatsache, dass es sich um ein Bakterium handelt.