Pferdegebiss messen & Vor- und Nachteile der Gebissmaterialien

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Dieser Artikel soll eine weiterführende Ergänzung für die Auswahl eines Gebisses sein. Hier wird nun vorgestellt wie die Abmessungen festgelegt und gewählt werden und welche Eigenschaften die verschiedenen Materialien haben und wie sich dies jeweils auf das Pferd auswirkt.

Wie finde ich heraus, welche Gebissgröße ich benötige?

 

  • In vielen Reitsport-Fachgeschäften oder Gebissherstellern werden Schablonen angeboten. Diese werden an das Pferdemaul angelegt und verfügen über eine Skala, an der die Gebissweite abgelesen werden kann. Hier sind auch Unterscheidungen eingetragen, welche sich durch einfach oder doppelt gebrochene Gebisse ergeben. Einfach gebrochene Gebisse sind wegen der etwas unflexibleren Lage im Maul um 0,5cm größer zu wählen als doppelt gebrochene Gebisse.
  • Ein bereits vorhandenes Gebiss gibt auch Aufschluss darüber, welche Größe passend für das Pferd ist. Hier wird dann das Gebiss zwischen den beiden Innenseiten der Trensenringe gemessen. Ein passendes Gebiss steht zwischen Maul und Trensenring auf jeder Seite ca. 0,5cm über.
  • Die Gebissstärke wird an den Enden des Gebisses gemessen. Die Mindestdicke bei Großpferden liegt bei 14mm, bei Ponys bei 10mm. Bei Kandarenzäumungen ist dies differenziert: Die Unterlegtrense hat eine Mindestdicke von 10mm und das Stangengebiss 14mm. Die Zungenfreiheit an den Stangengebissen ist von 0 bis 30mm zugelassen.
  • Die Gebisse unterscheiden sich auch noch durch verschiedene Ringgrößen. Standart-Durchmesser sind 70mm, Unterlegtrensen haben oftmals kleiner Durchmesser (Ø60mm) und Westernreiter bevorzugen größere Durchmesser(Ø100mm), weil diese durch die einseitige Zügelführung verhindern, dass das Gebiss durch das Maul gezogen wird.

Faustregeln

  • Kleines Pony (Shetty, Welsh): 10,0 – 11,5 cm
  • Modernes Reitpony, Araber: 11,5 – 12,5 cm
  • Vollblüter: 12,5 – 13,5 cm
  • Warmblüter: 13,5 – 14,5 cm
  • Schwere Warmbluter, Kaltblüter: 14,5 – 16,0 cm
  • Lage des Gebisses: 2 – 3 Falten sollten im Maulwinkel entstehen, dann liegt das Gebiss häufig schon korrekt. Feinabstimmungen können noch vorgenommen werden.
  • Je dünner das Gebiss, desto schärfer wirkt es. Jedoch fühlen sich manche Pferde (mit einem kleinen Maul) mit dünneren Gebissen wohler. Und wie scharf ein Gebiss wirkt hängt immer von der führenden Reiterhand ab.

Effekte, Vor- und Nachteile der verschiedenen Materialien

Edelstahl:

  • klassisches Material und weit verbreitet
  • hat keinen Eigengeschmack
  • rostet nicht und ist pflegeleicht
  • es verschleißt wenig
  • es wirkt neutral, fördert keine Speichelbildung
  • in Verbindung mit Kupfer wird es für Pferde sehr interessant

Kupfer:

  • es fördert die Kaubereitschaft des Pferdes
  • reines Kupfer wäre zu weich und zu verschleißanfällig
  • es muss regelmäßig auf Grünspan kontrolliert werden

Argentan:

  • ist ein Gemisch der Metalle Kupfer, Zink und Nickel
  • goldfarben
  • hat wenig Verschleiß, da die Legierung relativ hart ist
  • es ist korrosionsbeständig
  • viele Pferde reagieren allergisch auf Nickel
  • Import-Produkte enthalten häufig Blei, welches gesundheitsschädlich ist

Aurigan:

  • ist ein Gemisch aus hauptsächlich Zink und Silizium
  • nickelfrei, eine Quarzmischung ersetzt den Nickel
  • goldgelbe Farbe
  • in Verbindung mit Speichel oxidiert Aurigan, der Vorgang wird allerdings außerhalb der Maulhöhle gestoppt

Gummi:

  • Kautschuk ist das Ausgangsmaterial

    Gummigebiss von Horze

  • sehr weich, daher stark verschleißanfällig
  • pflegeleicht, jedoch wartungsintensiv (Abnutzung)
  • Gummigebisse haben meist einen Stahlkern
  • bei Pferden, die wenig Speichel bilden, wirkt das Gebiss wie ein Radiergummi

Leder:

  • passt sich der Anatomie des Maules sehr gut an
  • der Eigengeschmack regt die Kautätigkeit an, dadurch ist dieses Gebiss auch sehr verschleißanfällig
  • es hat einen sehr hohen wartungsaufwand, da es vor und nach jedem Gebrauch in Sonnenblumenöl getränkt werden sollte

Nathe:

  • ist ein Kunststoff
  • ist temperaturabhängig (Sommer = weich, Winter = hart)
  • durch kräftiges Kauen verschleißt es schnell
  • daher ist es sehr wartungsintensiv und bedarf einer täglichen Kontrolle auf Ecken und Spitzen
  • wird deshalb oft mit Metallkern gefertig
  • Pferde, die im Maul abgestumpft sind nehmen dieses Gebiss gerne an

Happy Mouth:

  • Kunststoffummantelung mit verschiedenen Geschmacksrichtungen (z. B. Apfel)
  • regt bei vielen Pferden die Kautätigkeit an, es gibt jedoch auch viele Pferde die den Geschmack nicht mögen
  • durch den weichen Kunststoff muss auch hier regelmäßig genau auf Abnutzung kontrolliert werden

Sweet Iron:

  • reines Eisen
  • teilweise in Verbindung mit Kupfer, was dann die Kautätigkeit anregt
  • verschleißanfällig, es entstehen schnell Risse und Kanten, deshalb ist eine tägliche Kontrolle unablässig
  • rostet
  • hauptsächlich bestehen Westerngebisse aus diesem Material
  • Vorsicht bei Importen die mit undurchsichtigen chemischen Prozessen in Verbindung kommen konnten
  • Ausführungen: Black Steel, Blue Steel, Brown Steel

Der Reiter bzw. Pferdebesitzer weiß am Besten, was die Vorlieben oder Problematik seines Pferdes sind. Anhand dieser Informationen können verschiedene Gebisse ausprobiert werden. Generell kann nie ein Ratschlag erteilt werden, welches Gebiss am besten zu einem Pferd passt. Es ist immer von Pferd zu Pferd unterschiedlich.

Welche Erfahrungen mit Gebissen & Materialien habt Ihr mit eurem Pferd gemacht?

Pferdefreunde, Reiter und Blogger repräsentieren dieses Profil.

  • tanja wieck

    hallo, ich benutzte nur noch edelstahl doppeltgebrochenes olivenkopfgebiss. ich wollte mal was anderes und habe soviel durchbrobiert, auch westerngebisse…aber mein pferd ging garnicht oder wurde richtig unruhig und buckelig. :)

  • Julia

    Sehr interessant, wenn ich mal ein Gebiss kaufe, weiß ich wo ich mir nochmal Anregung hole.

  • Saskia

    Sehr guter Artikel. Ich reite ein DRP, und habe für ihn eine eigene Trense gekauft. Habe dann sein altes Gebiss gemessen, und das stimmt mit der Fastregel garnicht überein ;) 14 cm. Jetz hat er ein 12,5 Gebiss im Maul, aber nur weil der Verkäufer falsch gemessen hatte. Ist auch sehr knapp das Gebiss, passt gerade so. Demnächst bekommt er ein Happy Mouth-Gebiss in 13,5 weil er einfach schlecht kaut.