Reitplatzbau: Do it yourself!

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Wer sein Pferd in einem Reitstall oder Reitverein stehen hat, muss sich in der Regel keine Gedanken über die Möglichkeit der Nutzung eines Reitplatzes machen. Reiter mit eigenem kleinem Stall dagegen schon. Früher oder später stellt sich die Frage, ob ein Bau eines eigenen Reitplatzes möglich und sinnvoll ist.

Der finanzielle Aspekt ist wohl immer das größte Hindernis. Hier möchten wir eine Möglichkeit vorstellen, die in einem angemessenen Budget liegt und doch qualitativ relativ hochwertig und fast ganzjährig nutzbar ist.

Wohl gemerkt: Die Beschaffung des Reitplatzes eignet sich später für Dressur- und Longier- bzw. Bodenarbeit, sowie für einzelne Sprünge. Der Reitplatz ist weniger für reines Springtraining geeignet.

Begonnen wird mit der Auswahl des geeigneten Standortes. Eine von vorne herein relativ ebene Fläche ist gewiss von Vorteil, auch in Bezug auf die Planierungs- und Auffüllkosten.
Es sollte ein Bauunternehmen beauftragt werden, die über die Abmessungen des Reitplatzes mit einem Gefälle von 1° den Humus abträgt und ebnet. Der Humus wird später für die neue Begrünung um den Reitplatz herum wiederverwendet.

Nachdem die Grundlage besteht muss für eine ausreichende Entwässerung gesorgt werden. An der Entwässerung darf keinesfalls gespart werden. Nur so ist gewährleistet, dass der Reitplatz selbst nach tagelangem Regenwetter problemlos nutzbar ist.
Hierzu sollten der über die Länge alle 5 Meter schmale Gräben gegraben werden (8 Gräben) und einmal über die gesamte Länge, in welchem sich die Quergräben verbinden. In diese Gräben werden Drainagerohre verlegt, die gesammelt in einen Kanal geleitet werden. Die Gräben werden anschließend vorsichtig mit Schotter ohne Nullanteile gefüllt. Ebenso wird über die gesamte Reitplatzfläche ca. 15cm hoch derselbe Schotter verteilt, am besten auch noch mit einem Rüttler verdichtet.

Das Fundament steht!

Nun wird eine Trennschicht benötigt. Hierfür eignet sich hervorragend Reitplatzgewebe. Dies ist ein Kunststoffnetz welches Wasser problemlos an den Untergrund abgibt, sich nicht zusetzt und die Tretschicht sauber von der Tragschicht trennt.

Das Reitplatzgewebe wird von den Abmessungen her ca. 2 Meter größer Gewählt als die Reitplatzabmessung. Das Gewebe wird auf dem Schotter ausgelegt und muss 2 Tage ruhen. Es entspannt sich und kann nach zwei Tagen genau ausgerichtet und verlegt werden. Es muss jedoch genau darauf geachtet werden, dass das Netz auf dem Schotter aufliegt und nicht „schwebt“.

Bestenfalls wird das Reitplatzgewebe mit der Umrandung befestigt. Hierzu bieten sich z. B. Baumstämme mit einem Durchmesser von ca. 30cm an. Diese bilden eine auch optisch schöne Begrenzung und sorgen für die nötige Stabilität und Sicherung des Netzes.

Warum kein Reitplatzvlies?

Dies ist in der Anschaffung deutlich günstiger als das Reitplatzgewebe und auch einfacher zu verlegen. Allerdings setzt sich das Vlies schon nach kurzer Zeit zu und ist nicht mehr wasserdurchlässig. Ebenso dehnt es sich und kann sehr schnell Falten bilden, welche sich zu Stolperfallen entpuppen.

Nun fehlt noch die Tretschicht:

Hackschnitzel sind eine preiswerte und gute Möglichkeit. Jedoch harmoniert eine reine Hackschnitzel-Tretschicht nicht mit dem Reitplatzgewebe. Die Tretschicht wäre zu tief und zu rutschig. Es sollte noch Sand hinzugefügt werden.
Es gibt sehr viel verschiedene Arten von Sand. Man muss beachten, ob viele barhufige Pferde den Platz benutzen werden. Doch auch generell empfiehlt sich einen Sand zu wählen, dessen Körner rund sind. Sehr gut geeignet und auch preislich angenehm ist Beachvolleyballplatz-Sand. Dieser wird gleichmäßig über den Hackschnitzeln, die sich bereits im Viereck befinden, verteilt. In Kürze vermischt sich der Sand mit den Hackschnitzeln und es bildet sich eine lockere, jedoch trotzdem trittfeste Schicht, die vor allem rutschfest ist.
Gesamt sollte die Tretschicht ca. 5-8cm hoch sein.

Als Tretschicht bieten sich noch andere Materialien an. Sehr beliebt und modern ist Teppichgewebe. Diese ist sehr wasserdurchlässig und gefriert selbst im Winter so gut wie nicht, was den Reitplatz auch im Winter sehr gut nutzbar macht. Jedoch sind die Anschaffungskosten sehr hoch und auch spätere Entsorgungskosten verschlingen Unsummen an Geld, da Teppichgewebe als Sondermüll entsorgt werden muss.

Abschließend kann dann noch entschieden werden, ob der Reitplatz einen Zaun erhalten soll, damit der Platz in erster Linie bei Stürzen gesichert ist, oder damit er auch als Auslauf bzw. Paddock genutzt werden kann.
Hierfür können entweder schon imprägnierte Pfähle verwendet werden, oder rohe Pfähle können in Eigenarbeit per Anstrich imprägniert werden. Ebenso verhält es sich mit Brettern. Es empfiehlt sich ca. all 3-4 Meter einen Pfosten zu setzen und mindestens zwei Querbretter anzubringen. Die Höhe des Zauns für einen auch als Freilauf oder Paddock nutzbaren Reitplatz sollte ca. 1,80m sein. Zwischen den beiden Querbrettern kann auch noch ein Elektroband gespannt werden, damit der Reitplatz ausbruchsicher ist.

Das Ebnen des Reitplatzes ist relativ einfach:
Der Hufschlag wird von Hand mit einem Rechen eingearbeitet oder mit einem speziellen Gerät eingearbeitet. Das beste Ergebnis mit der besten Festigkeit der Tretschicht erreicht man durch ein Planieren mit einer Walze.

Kostenübersicht:

  • Baggerarbeiten der Baufirma (Planieren, Drainagegräben, Kanalanschluss): ca. 5.000 Euro
  • Drainagerohr, ca. 250m: ca. 300 Euro
  • Schotter, ca. 250 Tonnen: ca. 3.500 Euro
  • Reitplatzgewebe, ca. 950m²: ca. 3.600 Euro
  •  Beachvolleyballplatz-Sand, ca. 30 Tonnen: ca. 600 Euro
  • Hackschnitzel, ca. 80m³: ca. 1.200 Euro
  • Umzäunung: ca. 650 Euro
  • Baugenehmigung: ca. 150 Euro

Gesamtkosten ohne Eigenarbeit: ca. 15.000 Euro

Weiche Tretschicht und ausbruchsichere Umzäunung hin oder her – beim Reiten sollte generell eines beachtet werden: Sicherheit geht vor! Und dies wird in erster Linie durch das Tragen eines Reithelms gewährleistet!

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