Welcher Sattel: Wie ermittle ich die richtige Passform

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Die optimale Passform eines Sattels sollte für einen Pferdebesitzer an oberster Stelle in Bezug auf Reitausrüstung stehen. Alles was sich auf dem Rücken des Pferdes abspielt muss der Rücken des Pferdes aushalten. Je nachdem wie gut oder schlecht der Sattel des Pferdes passt wird das Pferd willig den Hilfen des Reiters folgen oder sich widersetzen. Ein passender Sattel wird die Gesundheit des Pferdes fördern, ein nicht passender Sattel wird relativ schnell für betrübte Gesichter sorgen.

Vorinformationen

In der Regel sollte ein Sattel immer von einem Sattler angepasst werden. Bei Terminabsprache kann der Sattler fragen, welche Art von Sattel (Dressursattel, Springsattel, Vielseitigkeitssattel) gewünscht wird und eventuell die Kammerweite des alten Sattels – sofern schon vorhanden. Damit kann er die Auswahl an Sätteln, die er zur Sattelanprobe mitbringt, eingrenzen und spezifizieren.

Kammerweite

Die Kammerweite kann durch verschiedene Methoden ermittelt werden:

  • Gipsabdruck
  • Messgitter und Messsystem
  • Computeranalyse

Der Gipsabdruck wird jedoch heutzutage nicht mehr angewandt weil die Technik weit fortgeschritten ist. Die meisten Sattler werden noch den Rücken vermessen und dementsprechend die Kammerweite des Sattels wählen. Teilweise haben Sattler auch Vorrichtungen in Ihren Sattelmobilen, die ein Justieren der Kammerweite ermöglichen.

Anpassung

  • Zuerst wird das Exterieur des Pferdes beurteilt.
  • Der Rücken wird abgetastet. So wird festgestellt ob Verletzungen, Talgdrüsen oder Verspannungen vorhanden sind.
  • Eine Sattelanprobe findet immer ohne Sattelunterlage statt.
  • Das Pferd sollte auf einem ebenen Boden geschlossen stehen und alle vier Beine gleichmäßig belasten.
  • Zuerst wird der Sattel nur aufgelegt, vom Hals auf den Rücken gerutscht damit er in der optimalen Position liegt.
  • Der Sattler wird aus verschiedenen Blickwinkeln die Lage beurteilen.
  • Dann wird der Sattelgurt angeschnallt.
  • Nun sollte das Pferd bewegt werden, am besten beim Reiten. (Der Sattel muss nicht nur für das Pferd angenehm, sondern auch für den Reiter bequem sein.)
  • Die Lage des Sattels variiert durch Reitergewicht und Bewegung.
  • Nach dem Reiten muss der Rücken und somit die Sattellage anhand der Staub- und Schweißspuren beurteilt werden. (Idealerweise ist die Auflagefläche des Sattels gleichmäßig durchgeschwitzt.)

Zu beachten

  • Der Sattelbaum darf nirgendwo drücken.
  • Die Wirbelsäule muss mindestens 6 cm Freiheit zum Sattel haben, das entspricht ca. 3 Fingern.
  • Auch wenn das Reitergewicht den Sattel belastet muss der Wirbelkanal frei sein, ca. 2 Finger breit.
  • Man muss “durch den Tunnel” sehen können (hinter dem Pferd stehend bis vor zum Widerrist).
  • Der tiefste Punkt der Sitzfläche muss am tiefsten Punkt des Pferderückens liegen.
  • Der Sattel darf gegurtet und ungegurtet nicht nach vorne oder hinten wippen, auch nicht beim Reiten.
  • Das Kopfeisen sollte parallel zur Schulter laufen.
  • Die Weite des Kopfeisens richtet sich nicht – wie oftmals angenommen – nur nach der Ausprägung des Widerrists, sondern nach der Breite der Schulter.

Veränderungen des Pferdes

Ein neuer Sattel bzw. eine Anpassung des Sattels muss in verschiedenen Situationen erfolgen.

Ein junges Pferd mit wenig Bemuskelung bedarf einer ständigen Kontrolle. Das junge Pferd zeigt relativ schnell wenn der Sattel nicht passt, wenn es sich plötzlich schlechter reiten lässt bzw. Unwilligkeit zeigt. (Ein Pferd befindet sich bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres im Wachstum!) Ebenso muss der Sattel neu angepasst werden, wenn ein Pferd Muskeln abgebaut hat, z. B. nach einer Krankheit oder Trainingspause. Auch mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper und es bedarf einer Sattelanpassung. Beim Reiten von tragenden Stuten sollte auch ein Auge auf die Passform des Sattels gelegt werden.

Leichte Veränderungen des Körperbaus können mit verschiedenen Sattelunterlagen (dünne oder dicke Schabracke, Fell- oder Gelpad, Keilkissen usw.) ausgeglichen werden. Jedoch ist das nicht optimal. Für eine kurze Zeit der Überbrückung ist dies völlig vertretbar und wird auch keinen Schaden anrichten.

Änderungsmaßnahmen

Es gibt zwei Möglichkeiten einen Sattel zu verändern und somit anzupassen:

  • durch das Verstellen der Kammerweite
  • durch auf- bzw. umpolstern

Verstellen der Kammerweite

Das Verstellen der Kammerweite kann bei Sätteln, die kein austauschbares Kopfeisen haben, nur zu einem gewissen Grad und nur durch den Sattler erfolgen. Bei einem Sattel mit auswechselbaren Kopfeisen kann dies jeder verändern. Jedoch sollten wirklich fundierte Kenntnisse vorhanden sein um dies selbstständig zu entscheiden und durchzuführen.

Aufpolstern

Aufgepolstert werden Sättel (es sollte mindestens ein Mal im Jahr erfolgen), wenn die Wolle in den Sattelkissen zusammengedrückt ist und nicht mehr für eine optimale Stoßabsorbierung sorgen kann. Ebenso wenn sich Klumpen gebildet haben.

Umpolstern

Umgepolstert wird ein Sattel zum Beispiel dann, wenn ein Pferd stark an Muskeln auf- oder abgebaut hat. Hauptsächlich erfolgt dies bei Jungpferden, die stark an Muskelmasse zugelegt haben.

Der Sattel ist zwar nicht die Basis des Pferdes, jedoch die Basis des Reitens. Wenn der Sattel nicht passt kann man noch so gut auf dem Pferd sitzen und nicht störend einwirken, ebenso kann man endlos lockernde Übungen mit dem Pferd machen. Verspürt das Pferd einen Schmerz im Rücken oder auch nur ein unangenehmes Gefühl – es wird nie den Rücken aufmachen und schön und leicht zu reiten sein.

Deshalb zieht bitte immer einen Sattler zu Rate oder wenigstens eine Person, die von der optimalen Lage des Sattels viel Ahnung hat und euch am Anfang weiterhelfen kann.

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit