Welcher Sattelgurt: Unterschiede der verschiedenen Sattelgurte

girth

Wiederum erweiternd zu dem Artikel “Welcher Sattel: Sattelarten und deren Aufbau” möchten wir euch hier noch einen Überblick über die verschiedenen Sattelgurte geben.

Die wesentlichen Unterschiede sind in der Typisierung, der Form, des Materials und den besonderen Eigenschaften zu machen.

Die Typisierung

Im Wesentlichen unterscheidet man

Der Kurzgurt kommt eigentlich nur bei Dressursätteln vor. Da der Reiter auf dem Dressursattel mit einem sehr gestreckten Bein sitzt wären die Grutschnallen unter dem Oberschenkel sehr störend und auch schmerzhaft. Deshalb sind die Sattelgurtstrippen bei Dressursätteln sehr viel länger als bei Spring- und Vielseitigkeitssätteln. Teilweise findet man lange Sattelgurtstrippen auch bei Vielseitigkeitssätteln mit dem Schwerpunkt Dressur.

Die Form

Hier spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Kurz- oder Langgurt handelt. Beide Gurttypen haben ähnliche Schnitte. Es gibt zum Beispiel folgende Formen:

Die geraden Formen sind nahezu nicht mehr verkäuflich. Die Entwicklungen im ergonomischen Bereich gehen immer weiter und die Pferde fühlen sich sichtlich wohler, wenn ein Sattelgurt im Bereich der Ellenbogen nach hinten zurück geschnitten sind, damit die Bewegungsfreiheit besser gegeben ist. Ebenso die Verbreiterung der Mitte, die für mehr Druckverteilung sorgt.

Das Material

Hauptsächlich bestehen die meisten Gurte aus Neopren oder Leder bzw. Leder-Ersatz. Diese Materialien sind sehr pflegeleicht und auch heutfreundlich. Neopren ist sehr flexibel und weich was bedeutet, dass dies ein Material ist, das sehr gut für empflindliche Pberde geeignet ist. Sei es, dass sie auf Druck empfindlich reagieren oder dass sie eine sehr sensible Haut haben. Ledergurte halten schön ihre Form, was für die Pferde auch sehr angenehm ist.

Die besonderen Eigenschaften

Zu den besonderen Eigenschaften gehören:

Die V-Gurtung wird gerne genommen, wenn ein Pferd eine sehr schwierige Gurtlage hat. Die Ellenbogenfreiheit ist gegeben und dadurch, dass die beiden Strippen voneinander abweichen können, wird der Druck besser am Pferd verteilt.

Der elastische Einsatz hat große Vor- und Nachteile. Bei Pferden mit Gurtzwang hat er den großen Vorteil, dass der Gurt nicht gleich richtig fest ist, sondern immer noch etwas nachgibt. Auch junge Pferde, die den Sattelgurt gerade erst kennenlernen, sind für den Elastikeinsatz dankbar. Der Nachteil liegt jedoch auf der Hand: Durch die Elastizität kann der Gurt schnell zu fest gezogen werden, was für das Pferd natürlich mehr als unangenehm ist und wiederum zu Gurtzwang führen kann.

Ein guter Elastikeinsatz hat mindestens 3 Gummilagen. Bei weniger Gummilagen leiert dieser zu schnell aus.

Springpferde mit einer sehr guten Aktion im Vorderbein benötigen zwingend einen Sattelgurt mit Stollenschutz. Dieser beugt offene Wunden am Brust- und Bauchbereich vor, wenn das Vorderbein sehr schnell angezogen wird und die Stollen des Hufeisens durch diese schnelle Aktion in die Pferdehaut dringen.

Reitet man das Pferd öfters mit Hilfszügeln ist es von Vorteil, wenn in der Mitte des Sattelgurts eine Öse angebracht ist, die ein schnelles Ein- und Ausschnallen der Hilfszügel ermöglicht.

Fazit

Auch bei der Wahl des Sattelgurtes kann es sein, dass man mehrere Versuche benötigt, um die richtige Wahl zu treffen, die dem Pferd am besten Passt und auch angenehm ist.

Empfindliche Pferde scheuern sich oft am Ellenbogen oder an der seitlichen Brust hinter dem Ellenbogen wund bzw. bilden Sarkoide. Hier kann man für noch mehr Komfort sorgen, indem man Sattelgurtschoner einsetzt. Diese gibt es in Synthetikmaterial oder als medizinisches Lammfell. Synthetische Materialien verschlimmern die Situation meist noch, das der Schweiß hier nicht richtig abgeleitet wird und Synthetik wird dadurch schnell kratzig und bedarf einer aufwändigen Pflege. Auch auf medizinisches Lammfell reagieren empfindliche Pferde teilweise nicht gut und die Scheuerstellen werden immer größer.

Die einizige Möglichkeit, die dann hier noch bleibt, ist einen Gurtschoner aus Winter-Rehfell anzufertigen. Rehfell ist das am besten verträglichste Fell für diese Art von Hautproblemen in der Gurtlage.

Für nähere Informationen hierüber könnt ihr uns gerne kontaktieren.

Reiterin mit Spezialgebiet Dressur, Erfahrungen in Zucht, Haltung, Fütterung und Gesundheit

  • Anja

    Ein schöner Artikel, und für mich zeitich passend! Ich bin gerade dabei neue Sattelgurte für die Schulponys am Stall zu besorgen, da kann ich die Infos gut gebrauchen ;)

  • Susanne

    Die geraden Formen sind nahezu nicht mehr verkäuflich? Das wundert mich ein wenig, sicher geht der Trend zu den anatomischen Formen, aber es gibt doch auch bei horze eine große Auswahl gerader Gurte.
    Für Pferde mit schwieriger Gurtlage kann ein anatomisch/geschweift geformter Gurt genau das Gegenteil bewirken – er lässt nicht mehr Platz für den Ellbogen des Pferdes, sondern rutscht einfach noch weiter nach vorne. Ich hab viel ausprobiert, bis ich mit einem einfachen, geraden, schmalen Gurt ohne Polsterung den geeignetsten Gurt für mein Pferd gefunden hatte. Ganz wichtig ist meiner Meinung nach besonders bei vorrutschenden Kurzgurten die richtige Länge – die Schnallen müssen unbedingt oberhalb des Ellbogens liegen.

  • Ida

    Wieder ein sehr schöner und hilfreicher Artikel.
    danke =)

  • http://www.fotografie-von-svantje.de.to Svantje B.

    Das ist auch wieder ein toller Artikel! :)

  • Elena

    Wieder ein toller, hilfreicher Artikel. Weiter so!

  • anette ehrenstein

    Wir haben uns einen neuen Gurt gekauft: Neopren, ergonomische Form – aber leider ist der nicht ideal: unter den Schnallen sind so kleine Laschen, welche besonders beim Nachgurten unter die Schabrake rutschen!!! unsere Stute hat nun Druckstellen und wollte sich vorübergehen nicht mehr Gurten lassen!!! Jetzt haben wir wieder einen Stoffgurt ohne Laschen, die nach hinten klappen können.

  • Anna

    Bitte kann mir jemand sagen, von welcher Marke der Sattelgurt auf dem Foto ist?! Ich suche dringend einen elastischen Kurzgurt mit möglichst dreilagigem Gummi, bei weniger habe ich Angst vor Ausleiern!