Lifestyle: Reitbeteiligung

Um den Beruf, die Freizeit und die Leidenschaft Reiten unter einen Hut zu bekommen ist eine Reitbeteiligung manchmal der einzige mögliche Kompromiss. Auf der anderen Seite ist es für viele Pferdebesitzer oft eine große Erleichterung eine zuverlässige Hilfe beim Bewegen der Pferde zu haben. Sind Pferdebesitzer, Pferd und Reitbeteiligung ein Team profitieren auf jeden Fall alle davon.

„Was ist denn heute los, du kriegst ihn aber auch gar nicht locker!“, meinte meine Reitlehrerin kritisch als ich mich eine Viertelstunde vor Schluss der Dressurstunde darum bemühte meine Reitbeteiligung in einer Schlangenlinie schön gebogen zu bekommen. Stattdessen ließ er sich den Kopf bequem von mir tragen und meinte wohl dass Tempounterschiede vom Pferd selbsständig durchzuführen waren. Ich seufzte. „Bestimmt ist er gestern gestanden.“, redete ich mir ein.

Das ist das Schöne an Reitbeteiligungen. Wäre es mein eigenes Pferd gewesen hätte ich genau gewusst, was am Tag vorher gearbeitet wurde. Dann hätte ich mir an dieser Stelle Gedanken über meinen kompletten Trainingsplan, mein Können oder die Gesundheit meines Pferdes gemacht. Eventuell hätte ich den Sattel überprüfen lassen, die Trense genau kontrolliert, meine Chiropraktikerin den Rücken und meinen Tierarzt die Zähne durchchecken lassen. Aber so redete ich mir einfach ein, dass mein großer Kumpel in dessen Sattel ich saß einfach am Tag vorher nicht bewegt worden war. So war er nicht schuld, ich war nicht schuld und es gab auch kein schwerwiegendes Problem, dem auf den Grund gegangen werden musste. Das Leben kann so schön sein.

Da meine Stute auf Grund einer Verletzung bereits in Rente und mein Nachwuchspferd noch zu jung ist, reite ich im Moment den Wallach einer Freundin. Zwar vermisse ich es sehr fast täglich ein eigenes Pferd zu reiten, ich habe es aber auch absolut zu schätzen gelernt etwas mehr Zeit für mich zur Verfügung zu haben. Es gibt jetzt einige Tage in der Woche, an denen ich mich nach der Arbeit direkt auf mein Sofa setzen kann ohne mich danach wieder aufraffen zu müssen um bei -10°C noch mein Pferd zu bewegen.

Außerdem bin ich seit dem viel entspannter.Ich mache mir normalerweise schon bei kleinsten Verhaltensveränderungen meiner Pferde Gedanken über mögliche gesundheitliche Ursachen. Das hat sich in der Vergangenheit meist als absolut richtig herausgestellt, hat mich aber teilweise auch in den Wahnsinn getrieben. Bei meiner Reitbeteiligung konzentriere ich mich stattdessen auf das Wesentliche: das Reiten. Zwar bin ich nach wie vor aufmerksam wenn ich ernsthafte Probleme oder Verletzungen/Lahmheiten feststelle, aber ich habe insgesamt gelernt mich nicht hauptsächlich auf Probleme zu konzentrieren. Diese Erkenntnis kam mir erst durch diese Pause, in der ich nicht wie die letzten 10 Jahre fast täglich mein eigenes Pferd reiten könnte. Und so arbeite ich nicht wie sonst die halbe Woche an den Problemen der letzten Dressurstunden. Ich mache mir auch nicht mehr andauern Gedanken ob ich mehr longieren, mehr ins Gelände gehen, mehr Vorwärts-Abwärts reiten oder vielleicht insgesamt weniger reiten muss, sondern lasse es einfach gut sein bis ich eine halbe Woche später wieder zum Reiten komme. Und siehe da, die meisten Probleme lösen sich einfach wie von selbst auch wenn die anderen Reiter des Pferdes nicht genau an diesem Problem gearbeitet haben.

Ich versuche diese Erkenntnis auch später zu nutzen, wenn mein Nachwuchspferd unter dem Sattel ist. Natürlich brauche ich dann selbst irgendwann auch wieder jemanden, der mein Pferd ein paar Mal die Woche bewegt, ansonsten bleibt mir neben dem Arbeiten gar keine Zeit mehr für etwas anderes als „Pferd“ in meinem Leben. In der Vergangenheit hat sich das Finden einer geeigneten Reitbeteiligung für meine Stute als recht schwierig herausgestellt. Da war einfach alles dabei: von der Wiedereinsteigerin, die nicht einmal angaloppieren konnte über den Allwissenden, der trotz Sehnenverletzung und Lahmheit meine Stute longierte anstatt Schritt zu reiten, bis hin zum jungen Mädel, die heimlich mit Schlaufzügeln in der Halle und ohne Helm und in einem Mordstempo im Gelände neben der Bundesstraße unterwegs war. Aber schließlich fand ich sie doch noch: die perfekte Reitbeteiligung und ein paar Urlaubsvertretungen für meine Stute auf die ich mich 100%ig verlassen konnte. Aber der Weg dahin hatte mich einige Nerven gekostet…

Als ich von der letzten Dressurstunde nach Hause kam fragte mich mein Freund, wie es denn gewesen sei. Früher hätte ich ihm minutenlang erzählt was nicht gut gewesen war und was meine Vermutung für die Ursachen des Problemes waren, was ihn als Nichtreiter sicher „brennend“ interessiert hätte. Aber so sagte ich nur: „War im Großen und Ganzen ganz gut, bis auf ein paar Kleinigkeiten hier und da. Aber hauptsache Reiten!“ Oh ja, das Leben ist schön!

 

War es für euch schwer eine zuverlässige Reitbeteiligung für euer Pferd zu finden? Oder habt ihr eine andere Lösung gefunden um neben dem Beruf eurem Pferd genügend Bewegung zu verschaffen? Was sind für euch die Vor- und Nachteile einer Reitbeteiligung gegenüber einem eigenen Pferd?

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