Lifestyle: Vereinbarkeit von Pferd, Privatleben und Beruf

Gute Ratgeber zu den Themen „Familie und Beruf“ oder „Urlaub mit Hund“ finden sich viele. Will man aber die große Leidenschaft „Pferd“ in den Berufsalltag, die Beziehung und die Freizeit integrieren muss man oft sehr flexibel sein und braucht viel Organisationstalent. An dieser Stelle berichte ich über meine Versuche zwei dauerinvalide Pferde, eine Reitbeteiligung, meinen Beruf und meinen nicht reiten- den Freund unter einen Hut zu bekommen.

„Also wirklich, Sie bräuchten 30 Tage Urlaub für sich und nochmal 30 Tage nur für Ihr Pferd!“ Mit einem Kopfschütteln unterschrieb mein Chef den Urlaubsantrag. Ich seufzte. Warum hatte ich ihm auf die Frage, warum ich morgen so kurzfristig Urlaub nehmen musste, bloß wahrheitsgemäß geantwortet? Ich hätte sagen sollen dass ich meiner Oma dringend beim Renovieren helfen müsse. Dafür hätte jeder Chef der Welt Verständnis gehabt. Aber stattdessen sagte ich: „Mein altes Rentnerpferd musste von ihrem Rent- nerplatz dringend zurück in ihren alten Stall und soll jetzt wieder zu einer neuen Rentnerkoppel umziehen!“ Als ich aus dem Büro meines Chefs lief hörte ich ihn nur noch verständnislos „Rentnerpferd…“ murmeln, als ich die Tür schloss.

Im Großen und Ganzen kann ich den Reitsport ganz gut ins Berufsleben integrieren. So haben sich meine Kollegen auch schon daran gewöhnt, dass ich in der Teeküche der Firma kurz vor Feierabend Mash zubereite und dass der Kofferraum meines Autos grundsätzlich bis zum Deckel voll mit Reitausrüstung ist. Doch manchmal stellt mich die Vereinbarkeit von Pferd und Beruf vor ziemlich große Herausforderungen. Oft weiß ich auch nicht genau ob die Pferde meinen Berufsalltag kompliziert machen, oder ob mein Berufsalltag meinem Hobby im Weg steht. Fakt ist auf jeden Fall: als Studentin war es viel einfacher alles zu organisieren, auch in der Prüfungszeit. Aber irgendwie müssen die Vierbeiner ja auch bezahlt werden und gerade meine beiden Pferde geben sich viel Mühe um das Einkommen meines Tierarztes zu sichern. Da wäre zum Beispiel meine 19-jähri- ge Stute, die immer schon ein gutes Timing für Verletzungen hatte. Kaum hatte ich mir neue Chaps gekauft oder ein Turnier gemeldet hatte sie einen Tag später ein dickes Bein, angeschwollene Lymphknoten oder ging sogar lahm. Ihre absolute Treffsicherheit den schlimmst möglichen Zeitpunkt auszuwählen hätte mich sogar fast um die Zeugnisverlei- hung nach dem Studium gebracht. Genau an diesem Tag hatte sie nämlich eine Zahn-OP in Vollnarkose. Etwa eine Viertelstunde bevor die Veranstaltung startete erreichte ich zum Glück meinen Tierarzt. Ich hörte dass alles gut verlaufen war und konnte schließlich doch noch einigermaßen entspannt feiern, bis ich mein Pferd Nachmittags in der Klinik besuchte. Doch das „Verletzungsproblem“ meiner Rappstute gipfelte letztes Jahr in einer irreparablen Knieverletzung, die aus dem Reitpferd schließlich ein Rentnerpferd machte.

Leider sorgte meine Stute auf der Rentnerkoppel für mehr „Drama“ als ich es je für mög- lich gehalten hatte. Ich glaubte meinem Pferd den Himmel auf Erden möglich gemacht zu haben als ich Sie als Beistellpferd zu einer tragenden Stute stellte. Hier hatte sie nachts eine Box und tagsüber einen Laufstall mit Paddock, mit einer angrenzenden Koppel und betreutesm Wohnen. Der Tierarzt wohnte nämlich direkt nebenan. Dies schien mir bei dem Verletzungspotential meiner Stute ziemlich sinnvoll zu sein. Alles schien perfekt zu funktionieren, meine Stute lebte sich gut ein und ich fühlte mich als guter Mensch, der sein Pferd glücklich gemacht hatte und es nicht mehr täglich nach der Arbeit aus der Boxen-Haft holen und am Halfter „Gassi“ führen musste. Doch meine Stute teilte meine große Freude über die perfekte Lösung anscheinend nicht und fühlte sich wohl eher als ob ich Sie ins „Altersheim“ abgeschoben hatte.
Nach einem Monat kam plötzlich während der Arbeitszeit ein Anruf, ich solle am besten sofort nach dem Pferd sehen. Ich bekam zum Glück auch sofort einen halben Tag Urlaub, nachdem ich nur „Pferd – Notfall!“ als Grund angegeben hatte. Ich raste ohne mich zu verabschie- den an der netten Dame an der Pforte vorbei, missachtete sämtliche Geschwindigkeits- begrenzungen und stand schließlich in High Heels, mit Brille und Bluse im neuen zu Hause meines Pferdes. Dort fand ich ein weiß geschwitztes, hoch aufgeregtes Pferd – meine Stute galoppierte am Zaun auf und ab. „Ich habe schon probiert sie in den Stall zu sperren, mit der anderen Stute zusammen… aber da hat sie sich auch nicht beruhigt und sich selbst noch mehr gefährdet…“ sagte die Stallbesitzerin. Das Problem war, dass meine Stute die Pferde des Nachbarn scheinbar viel interessanter fand als die Stute in ihrem zu Hause und deswegen unbedingt zum Nachbarn rüber wollte. Wir entschieden uns noch abzuwarten, doch es wurde nicht besser, eher schlechter, obwohl wir alles versuchten. Nachdem sie am übernächsten Tag in Panik versuchte aus ihrer Box heraus zu springen bekam ich wieder einen Anruf. Und so stand der Entschluss also fest: ich musste das Tier sofort wieder in ihren alten Stall bringen um sie vor sich selbst zu schützen!

Und so reichte ich wieder einen Notfall-Urlaubsantrag ein, rannte über den Firmenpark- platz, versuchte im Stall den Anhänger anzuhängen ohne meine schöne Bürohose mit Schmierfett zu versauen und holte die völlig durchgedrehte Dame ab. Zurück in ihrer alten Heimat stand sie in ihrer alten Box als wäre nie etwas gewesen. Und so tingelte ich wieder täglich nach der Arbeit direkt in den Stall nur um der alten Lady etwas Bewegung zu verschaffen, damit sie nicht den ganzen Tag in der Box stehen musste. Ich hatte ein schlechtes Gewissen dem Pferd gegenüber, das konnte keine Dauerlösung sein. Und so wagte ich nach zwei Wochen den Versuch, sie in eine neue Rentnerresidenz umziehen zu lassen. Jetzt hat sie nicht mehr nur einen vierbeinigen Kumpel, sondern lebt in einer großen Herde im Offenstall. Bis jetzt klappt das sehr gut. Ich klopfe auf Holz, dass dies auch weiterhin der Fall ist. Und ich glaube mein Chef auch.

Wie schafft ihr es eure Pferde und euren Beruf unter einen Hut zu bekommen? Was sind eure Tipps für den richtigen Business Lifestyle mit Pferd? Und habt ihr auch schon mal die Erfahrung gemacht, dass Pferde nicht alles was von uns Besitzern gut gemeint war auch gut finden? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Nächster Lifestyle Artikel: Reiten und Mode