Tipps für die Wahl des richtigen Gebisses

Es gibt unzählige Arten von Pferdegebissen. Da immer das Richtige und Passende für sein Pferd zu finden kann oftmals leicht verwirren, da es sehr viele verschiedene Arten von Gebissen gibt.

Auswahl des Gebisses

Das Gebiss ist immer nach verschiedenen Kriterien zu wählen:

  • Ausbildungsstand des Reiters
  • Ausbildungsstand des Pferdes
  • Einfühlsamkeit und Einwirkung der Reiterhand
  • Empfindlichkeit des Pferdemauls
  • persönliche Einstellung des Reiters gegenüber den Wirkungsweisen von Gebissen

Es ist grundsätzlich zu sagen, dass die Wirkungsweise der Gebisse vollständig von der Einwirkung der Reiterhand abhängig ist.

Dementsprechend ist auch das Einsatzgebiet bzw. von Pferd zu Pferd zu unterscheiden, ob das jeweilige Gebiss eingesetzt werden kann oder ob Probleme auftreten, die zur Wahl einer anderen Gebissart führen.

Das einfach gebrochene Gebiss

 

Das einfach gebrochenes Gebiss, auch Wassertrense genannt, hat zwei gleich lange Gebissteile, die über ein bewegliches Gelenk miteinander verbunden sind. Das Gebiss wirkt durch die Zügelführung hauptsächlich auf die Zunge.

Es ist am weitesten verbreitet und wird standardmäßig eingesetzt. In der Regel wird es von den meisten Pferden problemlos angenommen.

Bei einem solchen Gebiss kann es allerdings bei zu starker Zügeleinwirkung zu einem sogenannten „Nussknacker-Effekt“ kommen. Hierbei kann die Zunge vom Mittelteil, in dem die beiden Gebissteile miteinander verbunden sind, eingeklemmt werden und die Verbindung der beiden Gebissteile stößt an den Gaumen des Pferdes.

Einsatzgebiet:

Standard-Gebiss das vorzugsweise eingesetzt wird.

Das doppelt gebrochene Gebiss

Das doppelt gebrochenes Gebiss hat drei Gebissteile, die beweglich miteinander verbunden sind. Das mittlere Teil ist dabei in der Regel kürzer als die beiden äußeren Teile.

Diese Gebissart wirkt wenig auf die Zunge, dafür vermehrt auf die Laden des Pferdemauls. Es wirkt etwas weicher im Pferdemaul, weil der Nussknacker-Effekt entfällt.

Einsatzgebiet:

Zweites Standard-Gebiss das vorzugsweise beim Angewöhnen und bei der Ausbildung von Jungpferden eingesetzt wird. Ebenso bei Pferden, die etwas empfindlicher im Maul reagieren.

Olivenkopfgebiss

Auch das Olivenkopfgebiss war früher ein sehr beliebtes Gebiss. Es wird einfach und doppelt gebrochen angeboten. Bei dem Olivenkopfgebiss werden an den Enden des Gebisses olivenförmige Metallstücke quer angebracht, die dann in Ringform fortgesetzt werden. Grund dieses Aufbaus ist es, zu verhindern dass die Mundwinkel des Pferdes eingeklemmt werden können, oder die Trense durchs Maul gezogen wird.

Da das Mundstück nicht wie bei der Wassertrense auf den Gebissringen verschiebbar ist, kann die Zügeleinwirkung sehr hart auf das Maul  wirken Moderner – weil weiterentwickelt – ist die neue Ausführung der Olivenkopf-Gebisse. Auch diese sind in einfach und doppelt gebrochener Ausführung erhältlich. Hier sind die Gebissringe frei beweglich, daher etwas freundlicher im Zusammenspiel mit den Zügelhilfen. Jedoch ist der gewünschte Effekt des Olivenkopf-Gebisses trotzdem erhalten.

Einsatzgebiet:

Ebenfalls ein beliebtes Standardgebiss was mittlerweile weit verbreitet ist.

Knebel-/Schenkeltrense

 

Knebel-/Schenkeltrense (gehört von der Art her zu den Olivenkopfgebissen) Dieses Gebiss ist von der Wirkungsweise ähnlich wie ein Olivenkopfgebiss, da es auch durch die seitlichen Anzüge verhindert, dass das Gebiss durch das Pferdemaul gezogen wird.

Einsatzgebiet:

Bei Pferden, die etwas Probleme damit haben, sich von der Reiterhand führen (stellen) zu lassen. Wird auch gerne bei Jungpferden eingesetzt.

Ebenso verwenden Kutschfahrer dieses Gebiss gerne und auch beim Longieren wird es verstärkt eingesetzt. Als Alternative können auch Gebissscheiben bei anderen Gebissen eingesetzt werden, die den selben Effekt bewirken.

D- Ring Gebiss

Bei dem D-Ring-Gebiss ist der Ring  zum Maul hin abgeflacht, die Zielrichtung ist dieselbe wie bei dem Olivenkopfgebiss. Das Gebiss liegt sehr ruhig im Maul. Angenehm für Pferd und Reiter.

Einsatzgebiet:

Wird hauptsächlich von Westernreitern eingesetzt.

Kandarenzäumung

Kandare nennt man im Dressursport eine Kombination von zwei Gebissen, eines davon mit Hebelwirkung. Im Springsport entfällt das zweite Gebiss.

Dressurkandare

Eine Dressurkandare  hat immer 2 Gebisse. Einmal das Stangengebiss an sich und eine sogenannte Unterlegtrense. Die Unterlegtrense ist im Prinzip eine Wassertrense. Der Unterschied ist nur, dass das Unterleggebiss schmaler ist.  Nicht nur die Gebissteile an sich sind dünner, sondern auch die Ringe sind im Durchmesser etwas kleiner. Als Unterlegtrense kann ein einfach oder auch ein doppelt gebrochenes Gebiss verwendet werden. Dressurkandaren gibt es in verschiedenen Ausführungen. Es gibt sie mit viel und wenig Zungenfreiheit.

Irrtümlicherweise trügt der Schein, dass viel Zungenfreiheit positiv ist. Denn dabei ist zu beachten, dass die Wölbung nach oben am Gaumen anstößt und deshalb unangenehm fürs Pferdemaul ist.

Inzwischen werden fast nur noch Stangen mit mittlerer Zungenfreiheit und wenig Zungenfreiheit angeboten, was von den Pferden dankend angenommen wird.

Zu beachten ist auch das richtige Maß der Kinnkette. Diese darf nicht zu stramm gespannt werden und auch nicht lose durchhängen. Bei besonders empfindlichen Pferden kann auch eine Unterlage als Druckminderung verwendet werden.

Einsatzgebiet:

Reiter ab L-Niveau dürfen mit Leistungsklasse 4 dürfen auf Turnieren in Prüfungen auf Kandare starten.

Springkandare/Pelham

Springkandaren bestehen nicht zwingend aus einem Stangengebiss, sondern können auch gebrochen sein. Man nennt es üblicherweise Pelham. Es vereint die Unterlegtrense mit den Anzügen und der Kinnkette einer normalen Kandarenzäumung.

Einsatzgebiet:

Heftig losstürmende Pferde, deren Rittigkeit nicht optimal ist. Leider ist der Einsatz dieser Zäumung in dem Falle dann nicht korrekt, aber wird von Reitern in höheren Klassen gerne als Erleichterung eingesetzt.

Gebisse mit Geschmack

Es gibt aber auch noch Gebisse mit Geschmacksrichtungen. Meistens sind es die einfach und doppelt gebrochenen, sowie Olivenkopf oder D- Ring Gebisse, aber auch Stangengebisse, die dann an den Teilen des Gebisses mit einem Überzug versehen sind. Die häufigsten Geschmacksrichtungen sind dann Apfel, Kirsche oder auch Karotte. Diese Gebisse haben den Vorteil, dass die Pferde bei der täglichen Arbeit das Gebiss leichter annehmen und der Kaumechanismus angeregt wird.

Einsatzgebiet:

Hier ist eher die Psyche des Reiters beeinflussend in dem man meint, dem Pferd mit dem Geschmack etwas Gutes zu tun bzw. dem Pferd das Gebiss angenehmer zu machen.

Stangengebisse

Sie bestehen aus Gummi, Kunststoff oder auch Metall. Sie wirken auf die Zunge des Pferdes, nicht auf die Laden.

Einsatzgebiet:

Einige Pferde finden eine Stange im Mund angenehmer als die wacklige Verbindung mit gebrochenen Gebissen.

Spezialgebisse

Zu den Spezialgebissen gehört z. B. ein Steigergebiss. Dieses wird Hauptsächlich zum Führen von Deckhengsten beim Besamen bzw. Absamen oder auf Schauen und Vorführungen eingesetzt.

Rollengebisse werden eher bei büffeligen Pferden, die im Maul unempfindlich oder abgestumpft sind, eingesetzt. Durch das Spielen mit der Zunge an den Rollen steigt die Aufmerksamkeit bzw. die Hilfen der Reiterhand werden verbessert angenommen.

Es gibt Pferde, die dahin gehend schlecht ausgebildet sind, dass sie keine Hilfengebungen des Reiters annehmen. Sie versuchen sich mit verschiedenen Mitteln dem Reiter zu entziehen. Eine dieser Methoden ist, wenn die Pferde ihre Zungen über das Gebiss nehmen. Der Reiter hat nur noch schlecht Einwirkung und das Pferd wird teilweise unkontrollierbar weil dieses auch in eine Art Panik verfällt, wenn das Gebiss auf den Unterkiefer und die Zähne drückt. Mit einem speziellen Zungenstrecker-Gebiss kann dem entgegengewirkt werden. Dieser Effekt kann auch mit einem normalen, bereits vorhandenen, Gebiss erzielt werden, in dem ein abnehmbarer Zungenlöffel an das Gebiss angebracht wird.

Gebisslose Zäumung

Es gibt Pferde, die nicht mit Gebissen geritten werden können oder wenn auch die Reiter von einer gebisslosen Variante überzeugt sind. Nicht reitbar sind z. B. Pferde mit Problemen im Maulbereich oder wenn ein Gebiss nicht akzeptiert wird (z. B. Zunge über das Gebiss nehmen trotz Zungenstrecker). Hier gibt es folgende Möglichkeiten:

Das Hackamore

Beim Hackamore wird ein breiter Lederriemen über der Nase kombiniert mit den Metall-Anzügen direkt auf das Nasenbein des Pferdes, welches sich so steuern lässt.

Das Sidepull

Das Sidepull wird in der Regel nur im Westenbereich eingesetzt und wirkt so, indem die Zügelführung extrem in die jeweilige Richtung weisen.

 

Abschließend wäre noch zu erwähnen, dass hier nicht alle verfügbaren Gebissarten aufgeführt sind und auch nicht alle hier aufgeführten Gebisse nach LPO auf Turnieren zugelassen sind. Je nach Klasse und Prüfungsart muss hier in den entsprechenden Richtlinien nachgelesen werden. 

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Mehr Informationen zur Auswahl des richtigen Gebisses im folgenden Artikel: Pferdegebiss messen & Vor- und Nachteile der Gebissmaterialien

Welche Gebissarten benutzen eure Pferde?

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