Zäumung des Pferdes: Wie zäume ich ein Pferd richtig auf

Der Bereich der Ausrüstungsgegenstände für den Reitsport ist riesig. Somit auch in Bezug auf Zaumzeuge. Es gibt verschiedene Zäumungsarten, die natürlich auch Vor- und Nachteile haben, zum Beispiel in der Hinsicht auf die gewünschte Reitdisziplin. Hier soll euch ein Einblick in dieses komplexe Thema gegeben werden. Es könnte euch neue Anregungen oder Informationen liefern. Für Unentschlossene eventuell den entscheidenden Tipp für die Wahl des Zaumzeugs.

Die Materialien

Hauptsächlich wird immer noch Rinderleder für die Herstellung von Zäumen verwendet. Dieses ist auf pflanzlicher Basis gegerbt und somit sehr hautverträglich.
Ebenso finden sich viele synthetische Ersatzleder, die zwar sehr pflegeleicht sind, jedoch nicht so formstabil wie Echtleder.
Polyester-Materialien finden vor allem in der Distanz-Szene ihren Einsatz. Sie sind sehr formbeständig und auch reißfest, ebenso färbbar, was das Material auch bei Freizeitreitern sehr beliebt macht. Zudem ist es sehr pflegeleicht.

Der Aufbau

Generell besteht jede Zäumungsart aus folgenden Teilen:

  • dem Genickstück
  • dem Stirnriemen
  • dem Kehlriemen
  • den Backenstücken
  • den Zügeln
  • dem Reithalfter

Alle weiteren Riemen sind einer bestimmten Zäumungsart zugeordnet.

Das Genickstück

Neueste Erkenntnisse ergaben, dass die Genickgegend eine der empfindlichsten Regionen des Pferdes ist. In diese Richtung gehen die neuesten Entwicklungen  bei den Zaumzeugen. Das Genickstück im Bereich der Ohren ist weiter ausgeschnitten und damit kommt es beim Ohrenspiel nicht zu Spannungen im Nacken des Pferdes. Bequemer und angenehmer ist es dem Pferd, wenn das Reithalfter über das weich gepolsterte Genickstück läuft.
Das Genickstück trägt das gesamte Gewicht des Zaums. Deshalb sollte es relativ breit gehalten sein, um eine optimale Druckverteilung zu gewährleisten.

Der Stirnriemen

Der Stirnbereich ist ebenfalls eine sehr empfindliche Region am Pferdekopf. Der Stirnriemen fixiert das Genickstück am Kopf. Wird er also zu kurz gewählt, wird das Pferd sehr unwillig sein, weil an der Stirn empfindliche Nervenbahnen verlaufen, die dem Pferd dann Schmerzen bereiten weil sie eingeklemmt und blockiert werden. Jedoch darf der Riemen auch nicht zu groß gewählt werden, da der gesamte Zaum sonst am Kopf verrutschen oder er abgestreift werden könnte.
Bei der Wahl des Stirnriemens kann der Reiter seine Vorlieben ausspielen: Es gibt nahezu jede erdenkliche Kombination an Farbe der Polsterung oder Verzierung mit Steinchen oder Ketten. Ebenso gibt es verschiedene Formen, zum Beispiel in V-Form oder nach unten gerundet.

Der Kehlriemen

Dieser soll verhindern, dass das Pferd sich den Zaum abstreifen kann. Er verläuft im Bereich der Ganasche und eine Anpassregel ist, dass eine Faust breit zwischen Riemen und Kehle des Pferdes passen muss, damit das Pferd nicht beim Atem eingeschränkt ist.

Die Backenstücke

Backenstücke sind immer paarweise vorhanden. Sie werden rechts und links im Reithalfter eingeschnallt und positionieren das Gebiss im Pferdemaul.

Die Zügel

Die Zügel stellen die Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand dar. Beim Kauf ist darauf zu achten, welches Material bevorzugt wird, welche Breite der Zügel angenehm in der Hand liegt und wie sie ins Gebiss eingeschnallt werden sollen.
Standartzügel sind aus Gurtmaterial gefertigt. Dieses ist formfest und sie sind bei jedem Wetter griffig. Verstärkte Griffsicherheit durch aufgenähte Lederstege.
Lederzügel sehen eleganter aus und empfindlichere und kleinere Hände können Lederzügel besser greifen. Nachteil ist, dass sie bei Nässe glitschig werden und vermehrt aus der Hand rutschen. Bei Exemplaren mit Lederstegen ist diesem Problem entgegengewirkt.
Gummizügel sind in zwei Varianten zu unterscheiden: gummiert oder mit Gummiüberzug. Gummiert heißt, dass in das Zügelgewebe Gummifasern eingewoben wurden. Vorteil ist, dass sie sehr griffig sind und trotz der Gummifaser nicht die Zügelbreite beeinträchtigen. Der Nachteil liegt an der relativ hohen und schnellen Abnutzung. Bei Zügeln mit Gummiüberzug ist gut ein Drittel der Zügel mit einer genoppten Gummihülle eingefasst. Dies bewirkt, dass der Zügel breiter wird und von kleinen Händen eher als unangenehm aufgefasst wird. Ebenso ist die Abnutzung relativ hoch.

Das Reithalfter

Bei einer korrekten Verschnallung des Reithalfters nimmt dieses indirekt etwas Druck von den Laden weg und überträgt diesen direkt auf den Nasenrücken des Pferdes. Zudem verhindern sie ein Aufsperren des Pferdemauls.
Es gibt verschiedene Arten von Reithalftern. Jede Art hat Vor- und Nachteile bzw. ist für eine entsprechende Reitsportdisziplin mehr oder weniger geeignet bzw. zulässig. Ebenso muss man die Wahl des Reithalfters auch auf die Anatomie des Pferdekopfes abstimmen, sowie auch des Ausbildungsstandes von Pferd und Reiter.

Das englische und schwedische Reithalfter

Diese beiden Typen werden bei einer Kandarenzäumung verwendet. Das schwedische Reithalfter unterscheidet sich vom englischen insofern, dass der Verschluss über eine Umlenkung geleitet wird. Dies ist für empfindliche Pferde sehr angenehm, weil keine Schnalle auf einen Knocken drücken kann. Jedoch verleitet diese Umlenkung zu einer zu festen Einstellung und sollte nur mit Bedacht verwendet werden. Allerdings ist die Passform für Pferde mit schmalem Kopf nur sehr schwer herzustellen.
Für die Kandarenzäumung werden noch zwei weitere Backenstücke für das Stangengebiss benötigt, ebenso auch eine Kinnkette.

Das englische und schwedische kombinierte Reithalfter

Identisch zu dem normalen englischen oder schwedischen Reithalfter. Allerdings in der Mitte des Nasenriemens noch mit einer Lasche versehen, die für den Sperrriemen gedacht ist. Der Sperrriemen verläuft vor dem Gebiss und verhindert ein weiteres Maulaufsperren und weitestgehend auch, dass die Pferde versuchen, die Zunge über das Gebiss zu nehmen. Es ist darauf zu achten, dass zuerst das Reithalfter fest verschlossen wird, bevor der Sperrriemen angelegt wird. Der Zaum wird sonst in eine nicht korrekte Lage gezogen.
Diese Zäumungsart ist die am häufigsten angewandte. Geeignet für Pferde, die nicht gerne an das Gebiss herantreten und auch für Pferde, die willig und durchlässig sind.

Das hannoversche Reithalfter

Der Nasenriemen liegt relativ tief, ca. vier Finger breit über dem Nüsternrand. Der schließende Teil verläuft vor dem Gebiss. Hier wird ein höherer Druck auf das Nasenbein ausgeübt und wird deshalb eher bei Pferden eingesetzt, die einen guten Vorwärtsdrang haben. Anatomische Voraussetzungen sollten sein: langer gerader Kopf und eine lange Maulspalte. Da der tiefsitzende Nasenriemen das Aufblähen der Nüstern beeinträchtigen kann, ist diese Zäumung nicht bei Distanz- und Vielseitigkeitsritten erlaubt.

Das mexikanische Reithalfter

Hier verlaufen zwei relativ dünne Riemen, die sich auf den Nasenrücken kreuzen. Der Schnittpunkt beider Riemen wird mit einer Rosette verbunden und kann auch noch mit einem Fellpad unterlegt werden. Da bei dieser Zäumung das Pferd am leichtesten atmen bzw. die Nüstern entfalten kann, wird diese meistens von Vielseitigkeitsreitern eingesetzt, oder auch immer öfters im Springsport. Das mexikanische Reithalfter ist allerdings auch nicht für Pferde mit schmalem Kopf geeignet.

Das Bügelreithalfter

Am Nasenriemen befindet sich auf jeder Seite ein gebogener Metallbügel. Das Gebiss wird von einem oberen und unteren Kinnriemen umschlossen. Bei einer richtigen Verschnallung liegen die Gebissringe frei, was sich positiv auf die Maultätigkeit auswirkt. Die Atmung wird in keiner Weise beeinträchtigt.

Die Aufzählung der Zäumungsarten ist nicht vollständig. Hier wurden nun lediglich die beliebtesten und am häufigsten verbreiteten Zaumzeuge genannt.

Prinzipiell ist für jede Zäumung oberstes Gebot, dass sie dem Pferdekopf korrekt angepasst wird. Nur dann ist gewährleistet, dass das Pferd schmerzfrei und willig an das Gebiss herantritt und auch Leistungsbereitschaft und Freude zeigt.

 

Mit welcher Zäumung habt ihr und euer Pferd die meiste Freude?